Assisted Hatching: Schlüpfhilfe zur besseren Einnistung der Embryonen

Assisted Hatching bei IVF und ICSI
Assisted Hatching bedeutet „Schlüpfhilfe“ © clipdealer.com

Assisted Hatching wird oft in Kinderwunschkliniken zur Verbesserung der Einnistung empfohlen. Wir erläutern in diesem Artikel wird die Methode ausführlich.

Was ist eigentlich assisted „Hatching“?

Die Eizelle ist von einer festen Umhüllung umgeben, der sogenannten „Zona pellucida“, der Glashaut. Nach der Befruchtung teilen sich die Zellen des Embryos zunächst innerhalb dieser Umhüllung und ohne Zunahme von Substanz.

Eizellentwicklung bis zur Blastozyste © clipdealer.com

Ungefähr am 5. Tag nach dem Eisprung ist das „Blastozystenstadium“ errreicht, d. h. im Inneren des Embryos beginnt sich ein Hohlraum auszubilden.

 

schlüpfende Blastozyste Blastozystentransfer
Schlüpfende Blastozyste © wunschkinder.de

Dies ist der Zeitpunkt, an dem der Embryo die Zona pellucida verlassen muss, um sich einnisten zu können; der Embryo „schlüpft“ (engl.: hatching). Auf dem Bild links sehen Sie eine Blastozyste vor und während des Schlüpfvorgangs. Es handelt sich hierbei also um einen natürlichen Vorgang.

Und was bedeutet „Assisted Hatching?

hatching embryoMit dem „Assisted Hatching“ (=Schlüpfhilfe) wird versucht, dem heranwachsenden Embryo das Verlassen der Zona pellucida zu erleichtern. Dazu wird die Eizellhülle angeritzt oder ausgedünnt.

Auf dem Schema Bild sehen Sie einen Embryo, welche mit einem Laser angeritzt wurde, die Ausdünnung der Zona pellucida ist bei 4 Uhr erkennbar. Es ist wichtig, dass die der Defekt in der Eizellhülle genau die richtige Größe aufweist. Ist diese zu gering, kann der Embryo steckenbleiben und der Schlüpfvorgang wird nicht regelrecht abgeschlossen. Eine Einnistung bleibt dann ganz aus.

Es wird also kein Loch in die Eizellhülle geschossen oder gebohrt, sondern nur eine Ausdünnung vorgenommen.

Verschiedene Techniken des Assisted Hatching

Das „Assisted Hatching“ kann mit Hilfe verschiedener Techniken erfolgen:

  • Mit einem Laser. Diese Technik ist die sicherste, da man den Defekt in der Zona pellicida sehr gezielt setzen kann. Auch die Größe und Tiefe des Defekts ist exakt einstellbar. Verletzungen des Embryos sind damit praktisch ausgeschlossen. Der Embryo wird dazu mit einer Haltepipette fixiert (wie bei der ICSI) und mit dem Laserstrahl gezielt „beschossen„.  Das Resultat ist dann ein „Streifschuss“, es entsteht also kein Loch. Die Methode mit Hilfe des Lasers ist aufgrund ihrer Sicherheit inzwischen die Methode der Wahl.
  • Mit einer Glasnadel. Bei der „partiellen Zonadissektion“ ritzt man die Hülle mit einer Nadel an. Die Ergebnisse sind sehr von der Geschicklichkeit der ausführenden Person abhängig und die Verletzungsgefahr des Embryos wesentlich höher als mit einem Laser. Auch sind Tiefe und Größe des Defekts nicht so genau reproduzierbar wie bei der Lasertechnik.
  • Mit Hilfe einer enzymatischen Ausdünnung der Embryonenhülle. Hierbei sprüht man ein Enzym (Tyrode-Lösung) mit Hilfe einer feinen Pipette auf die Hülle des Embryos. Dieses Enzym löst dann die Zona pellucida an diese Stelle auf. Auch hier besteht der Nachteil, dass der Vorgang nicht exakt steuerbar ist und das Enzym Kontakt mit dem Embryo erhält. Inwieweit dies nachteilig ist, ist ungeklärt.
Die Anwendung des Lasers ist jedoch die am häufigsten verwendete Methode.

Wann ist „Assisted Hatching“ sinnvoll?

Natürlich nur bei IVF oder ICSI, da man den Embryo selbst „bearbeiten“ muss und hier die natürlichen Vorgänge in der Gebärmutter, welche das Schlüpfen begünstigen, fehlen. In der Gebärmutter gibt es Enzyme (Lysine), welche den Vorgang des Hatching in der natürlichen Umgebung steuern.

Nach wie vor ist die Wirksamkeit des „Assisted Hatching“ umstritten. Studien, welche eine Verbesserung der Einnistung nachweisen gibt es ebenso wie solche, die eine Verbesserung der Schwangerschaftsraten nicht nachweisen können. Es mag jedoch auch an den unterschiedlichen Studienanordnungen liegen und insbesondere den unterschiedlichen Techniken, die zur Anwendung kamen. Studien mit Lasertechnik waren bisher überwiegend überzeugend.

Jedoch gibt es unter den Reproduktionsmediziniern mittlerweile einen großen Konsens darüber, dass bei bestimmten Indikationen das Assisted Hatching hilfreich sein kann:

  • Bei mikroskopischem Nachweis einer überdurchschnittlich dicken Zona pellucida
  • Bei eingefrorenen und wieder aufgetauten Embryonen (vor einem Kryotransfer also)
  • Bei älteren Frauen (hier werden verschiedene Zahlen genannt von >36 bis >38 Jahren)
  • Bei wiederholt erfolgloser IVF- oder ICSI-Therapie trotz optimaler Voraussetzungen

Eine Analyse von Studien zu diesem Thema, die in einem Cochrane-Database Review zusammengefasst wurden, ergab sich kein wesentlicher Vorteil für die Methode (Hier eine Übersicht zu Studien). Die Schwangerschaftsraten scheinen zwar höher zu sein als ohne Hatching, jedoch gibt es keinen Nachweis dafür, dass auch die Anzahl der Lebendgeburten höher ist1.

Risiken des Assisted Hatching

hatching embryo risikenBei allen Techniken besteht die Gefahr einer Verletzung des Embryos, bei enzymatischen Techniken kommt zudem der ungeklärte Einfluss des Enzyme auf den Embryo hinzu.

Die Verletzung wird am besten vermieden, indem man den Defekt an einer Stelle platziert, wo die Zellen des Embryos (Blastomere) möglichst weit von der Eizellhülle entfernt sind (Pfeil)

Des weiteren ist unklar, inwieweit die Methoide sinnvolle natürliche Einnistungshindernisse überwindet und Embryonen zur Einnistung verhilft, die z. B. genetische Auffälligkeiten aufweisen. Hierzu gibt es jedoch nur akademische Spekulationen, keine echten Belege.

Assisted Hatching auch bei ICSI?

Oft wird gefragt, ob denn die Schlüpfhilfe auch bei der ICSI sinnvoll ist, da hier ja sogar ein Loch in die Eizellhülle gepiekst wird, um das Spermium einzubringen. Die ICSI ersetzt das Hatching jedoch nicht. Das Loch, welches durch die Nadel hervorgerufen wird, ist wesentlich kleiner als die Ausdünnungszone beim Hatching und daher auch meist schon nach 1-2 Tagen wieder komplett verschlossen.

Und bei Blastozysten?

Da kann man es machen, jedoch ist hier die Gefahr der Verletzung des Embryos höher. Bei der Blastozyste ist die Eizellhülle ohnehin schon ausgedünnt und die Zellen des Embryos befinden sich dichter an der Hülle und sind gefährdeter. Daher wird es in diesem Stadium eher seltener durchgeführt.

 

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Lacey, L., Hassan, S., Franik, S., Seif, M. W., & Akhtar, M. A. (2021). Assisted hatching on assisted conception (in vitro fertilisation (IVF) and intracytoplasmic sperm injection (ICSI)). Cochrane Database of Systematic Reviews, (3).