Wieviele Inseminationen sind sinnvoll?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Diese Frage wird hier nicht eindeutig beantwortet werden. In einer aktuellen Studie aus England wurde untersucht, wie hoch die kumulativen Erfolgsraten nach einer bestimmten Anzahl von Inseminationen ist und dies bei Behandlungen mit den Spermien des Partner und mit Spermien eines Spenders. Wann bei den beiden Therapien wegen abnehmender Erfolgswahrscheinlichkeit ein Wechsel zur künstlichen Befruchtung zu empfehlen ist, wollten die Kollegen aus Manchester zwar herausfinden, zu einer eindeutigen Ausage kamen sie jedoch nicht.

Die Behandlungen mit den Spermien des Partners (408 Behandlungen) erfolgte in dieser Studie ausschließlich nach einer hormonellen Stimulation der Eierstöcke, die Behandlung mit Spenderspermien (704 Behandlungen) zum Teil auch im natürlichen Zyklus. Nach einem Maximum von 4 Behandlungszyklen betrug die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit pro Paar 26%. Also nicht pro Zyklus, diese sogenannte „kumulative Schwangerschaftsrate“ bedeutet, dass die Wahrscheinlichkeit irgendwann während der ersten 4 Behandlungszyklen schwanger zu werden insgesamt 26% betrug. Der gleiche Wert lag bei der donogenen Insemination mit Spenderspermien bei über 60%.

Aus diesen Ergebnissen ließen sich keine „Cutoff-Werte“ ermitteln, also eine Zahl von Insemination, ab welcher der Wechsel auf eine IVF ratsam wäre.

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine sehr viel größer angelegte Studie vom Beginn dieses Jahres, die jedoch ausschließlich Inseminationen mit den Spermien des Partners berücksichtigte. Bei dieser betrugen die kumulativen Schwangerschaftsraten nach 3 Zyklen 18%, nach 7 Zyklen 30% und nach 9 Zyklen 41%. In diesem Artikel habe ich auch weiter ausgeführt, was zu berücksichtigen ist, wenn man einen Wechsel auf eine künstliche Befruchtung in Erwägung zieht.

Die Autoren der aktuellen Studie sehen vor allem weiterhin Klärungsbedarf, da die vorhandenen Untersuchungen nicht in der Lage sind, Entscheidungshilfen gegen weitere Insemination und für eine IVF zu geben. Im Gegensatz zur Studie aus dem Februar sind sie jedoch der Meinung, dass „bis zur abschließenden Klärung dieser Frage die medizinischen und finanziellen Ressourcen vorzugsweise für eine IVF-Behandlung verwendet werden sollten statt für weitere Inseminationen„.


Vitthala S, Gelbaya TA, Hunter H, Roberts SA, Nardo LG
Stimulated intrauterine insemination (SIUI) and donor insemination (DI) as first line management for a selected subfertile population: the Manchester experience.
J Assist Reprod Genet. 2008 Oct 1. [Epub ahead of print]

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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3 Kommentare
  1. Rebella schreibt

    Danke für diese Information. Wieder neue Zahlen für mich.

    Vielleicht sollte man noch dazu sagen, dass die Erfolgschancen ja auch noch ganz individuell sind.

  2. Ich schreibt

    Es ist so, wie Sie sagen, es ist schwer zu entscheiden.
    Möchte nur sagen dass die Diagnose und zwar eine detalierte, sehr wichtig ist.
    Sie reden in dem anderen Beitrag über die Fälle in denen IUI empfohlen wird.
    Ich würde sagen, bezogen auf eigene Erfahrung, dass in den Fällen von idiopatische Sterilität, oder der Zervix stimmt nicht, die IUI oft Erfolg haben und vielleicht braucht man auch nicht so viele Versuche.
    In Fällen von OAT haben IUI’s nur selten Erfolg, da man im Labor nicht so eine gute Vorbereitung machen kann, ich meine man kann nicht alles beeinflußen.
    Es hilft meistens nur die ICSI.
    Aber IUI hat hier den Sinn (denke ich) die Reaktion des weibliches Körper zu prüfen, bei Stimulation usw., damit man weiß wie man bei ICSI vorgehen muß mit Hormone u.a.
    Da eine IUI billiger ist als eine ICSI, ist es schlauer eine 1-2 IUI’s zu machen statt eine ICSI, bis man weiß wie die Frau funktioniert.

    Ich würde darum sagen, bei OAT sind 1-2 IUI’s sinnvoll, dann geht man besser zur ICSI.

    Und Doc – wie ist es bei IUI mit den Eileitern?

  3. Ulli schreibt

    Na, da habe ich ja vor 5 Jahren Glück gehabt, dass ich diese Studie nicht kannte!
    IVF wäre für uns als Selbstzahler nicht erschwinglich gewesen.
    Wahrscheinlich verderbe ich mit 23 Inseminations-Zyklen die Statistik.
    Dafür gab es aber am Ende ein 100%-Positiv!
    Also, nicht aufgeben!

    Ulli