„Social freezing“: Wie erfolgreich ist es?

Wie hilfreich ist das Einfrieren von Eizellen später eigentlich wirklich?

Es ist bekannt, dass eine Schwangerschaft mit zunehmendem Alter der Frau seltener eintritt. Neben zahlreichen anderen Gründen ist dies vor allem auf die Qualität der Eizellen zurückzuführen, die mit mit den Jahren abnimmt. Daher liegt die Idee nahe, die Eizellen in jungen Jahren einfrieren zu lassen, um sie dann zu nutzen, wenn die Umstände für eine Schwangerschaft günstig sind. Dieses Einfrieren von Eizellen („Social freezing“) wird seit einigen Jahren von vielen Kinderwunsch-Kliniken angeboten.

Nun ist diese Methode noch nicht sehr lange im „Angebot“ und daher ist nur recht wenig darüber bekannt, wie oft die Eizellen von ihren Besitzerinnen überhaupt genutzt werden und wieviele Kinder mit Hilfe des „social Freezings“ entstehen.

Was ist das beste Alter für das Einfrieren von Eizellen?

Grundsätzlich ist es ja so, dass die Qualität der Eizellen umso besser ist, je jünger die Frau ist, von der sie stammen. Andererseits steigt auch das Risiko, dass man die Eizellen gar nicht benötigt, wenn sie in sehr jungem Alter entnommen wurden. Daher wird ein Alter von 31-33 Jahren als optimal angesehen1. Der Kosten/Nutzen-Effekt ist am besten zwischen 35 und 37 Jahren2.

Wie hoch sind die theoretischen Chancen auf ein Kind nach „Social Freezing“?

Zu dieser Frage gibt es zahlreiche Berichte, Studien kann man das aufgrund der Fallzahlen nicht wirklich nennen. Insgesamt sind die Zahlen aber wenig aussagekräftig. Weder lässt sich zuverlässig sagen, wie viele Frauen auf ihre eingefrorenen Eizellen zurückgreifen, noch lässt sich eine Aussage darüber treffen, wie oft es dann später zur Geburt kommt. Es gibt Studien, die anzeigen, wie hoch die Chancen in Abhängigkeit von Eizellzahl und Alter zum Zeitpunkt der Entnahme sind3. Darauf aufbauend findet man auch einen Rechner, der die Chancen auf 1-3 Kinder unter Berücksichtigung von Alter und Zahl der reifen Eizellen einschätzen hilft.

Und wie  sieht die Realität aus?

Es gibt inzwischen viele eingefrorene Eizellen, aber wenig Kenntnisse darüber, wie oft sie genutzt werden und mit welchem Erfolg. Dieser Fragestellung nahm sich ein Team aus Belgien an4: Dabei wurden 843 Frauen erfasst:

  • Mittleres Alter 36,5 Jahre ± 2,8 Jahre
  • AMH 2,3 ± 2,0 ng/ml
  • 1,6 ± 0,9 Punktionen pro Frau
  • 8,7 reife Eizellen pro Zyklus
  • 20,6% hatten einen Partner zum Zeitpunkt des Einfrierens

Wieviele kamen wieder?

Ein Teil der Frauen kam im Zeitraum der Nachbeobachtung wieder in das Kinderwunsch-Zentrum (231 der 843 Frauen)

  • Alter bei Wiedervorstellung 40,4 ± 3,1 Jahre
  • AMH 1,5 ± 1,5 ng/ml
  • Mit Partner: 68,3%

Welche Behandlungen wurden durchgeführt?

Nun würde man ja meinen, dass der große Teil der Frauen auf die zuvor eingefrorenen Eizellen zurückgriff. Dem war nicht so. Nur knapp die Hälfte (48%) griffen auf diese zu. 31% führten eine IVF mit „frischen Eizellen“ durch. Und bei 21% war zunächst einmal eine Insemination die Therapie der Wahl.

Erfolgsrate nach Auftauen nach „Social Freezing“

  • 90 Frauen ließen ihre eigefrorenen Eizellen auftauen
  • Beim Einfrieren waren sie 37,2 Jahre ± 2,3 Jahre alt
  • Alter bei Auftau: 41,6 ± 3 Jahre
  • es wurden pro Frau 10 Eizellen ± 5,2 aufgetaut
  • 7% der aufgetauten Eizellen waren nicht mehr vital
  • bei 25% der Schwangerschaften trat eine Fehlgeburt ein
  • 41,1% der Frauen bekamen ein Kind (Kumulative Geburtenrate)

Erfolgsraten nach IVF mit frischen Eizellen

Fast ein Drittel der Frauen entschieden sich ja für eine erneute Hormonbehandlung und IVF mit „frischen Eizellen“, obwohl sie Eizellen eingefroren hatten. Hier war der Altersdurchschnitt bei der Behandlung 39 ± 2,8 Jahre. Der Anteil der Frauen, die mit der normalen IVF Kinder bekamen lag bei 48,1%.

Zusammenfassung:

  • Nur 16,7% der eingefrorenen Eizellen werden verwendet
  • Frauen, die unter 40 Jahre alt sind, werden mit einer „frischen“ IVF möglicherweise besser schwanger als mit den eingefrorenen Eizellen
  • Frauen, die älter als 40 sind und eine hohe Zahl eingefrorener Eizellen haben, sollten diese verwenden
  • Die kumulative Geburtenrate nach „Social freezing“ beträgt nur gut 40% in dieser Studie

Häufige Fragen zum Social Freezing

Wie viele Eizellen sollte man einfrieren?

Dazu gibt es keine pauschale Aussage, aber meistens wird zum Einfrieren von mindestens 20 Eizellen geraten.  Eine Studie aus dem Jahr 2017 (auch hier verlinkt)  hat die Lebendgeburtenrate nach Social Freezing untersucht. Sie ist ist abhängig vom Alter der Frau zum Zeitpunkt der Eizellentnahme und der Zahl der Eizellen. Wurden 20 reife Eizellen eingefroren, lag die Chance auf eine Lebendgeburt bei einer 20-jährigen Frau bei 94%, bei einer 34- jährigen Frau bei 90%, bei einer 37-jährigen Frau bei 75% und  bei einer 42-jährigen Frau bei 37%. Die Chance auf zwei Lebendgeburten nach Kryokonservierung von 20 reifen Eizellen lag bei einer 34- jährigen Frau bei 66%, bei einer 37-jährigen Frau bei 39% und  bei einer 42-jährigen Frau bei 7%.  Diese Zahlen kann man auch mit dem oben verlinkten Rechner selbst errechnen.

Was ist das beste Alter für Social Freezing?

Aus Sicht der Qualität der Eizellen ist 31-33 Jahre optimal. Der Kosten/Nutzen-Effekt ist am besten zwischen 35 und 37 Jahren

Wie lange sind eingefrorene Eizellen eigentlich haltbar?

Im Prinzip unbegrenzt auch nach 20 bis 30 Jahren können sie noch zu Schwangerschaften führen.

Wie viele Eizellen werden pro Zyklus gewonnen beim Social Freezing?

Während man bei der konventionellen IVF gleich eine Schwangerschaft anstrebt und daher eine Überstimulation eintreten kann, kann beim Social Freezing höher stimuliert werden also mehr Hormone verabreicht werden. Statt also ca. 10 Eizellen pro Zyklus anzustreben, möchte man 15, je nach Aktivität der Eierstöcke auch 20 Eizellen pro Zyklus haben

Wie viele Stimulationszyklen mit Punktion sollen beim Social freezing durchgeführt werden?

Da man insgesamt 20 Eizellen haben möchte, hängt dies vor allem von der Aktivität der Eierstöcke ab. Kann man 10 Eizellen pro Zyklus gewinnen, dann reichen evtl. auch 2 Zyklen. Bei Frauen um die 40 möchte man zum Einen mehr Eizellen gewinnen (ca. 30) und zum Anderen erhält man pro Zyklus aufgrund der altersbedingt geringeren Aktivität der Eierstöcke weniger Eizellen pro Zyklus. Dann sind gelegentlich sogar 3-4 Behandlungen notwendig

Wieso benötigt man bei älteren Frauen mehr Eizellen?

Weil mit dem Alter der Anteil genetisch auffälliger Eizellen steigt. Der Anteil von Eizellen mit einer nicht korrekten Anzahl an Chromosomen beträgt bei Frauen < 35 ca. 10%, bei 35-41-jährigen Frauen bei 36% und bei >41-jährigen Frauen bei bis zu 80%.   

Was wird beim Social Freezing von der Krankenkasse übernommen?

Die Diagnostik im Vorfeld ist Kassenleistung. Im eigentlichen Stimulationszyklus werden weder von den gesetzlichen noch den privaten Versicherungen Kosten übernommen.

Was kostet das Social Freezing?

Man muss für den ganzen Prozess pro Zyklus (mit Medikamenten) von 3.500 Euro ausgehen. Hinzu kommen (meist jährlich zu bezahlende) Kosten für die Lagerung im flüssigen Stickstoff

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Mesen TB, Mersereau JE, Kane JB, Steiner AZ
    Optimal timing for elective egg freezing.
    Fertil Steril. 2015 Jun;103(6):1551-6.e1-4.
  2. Bakkensen, J. B., & Goldman, K. N. (2021). After the thaw: when patients return to use cryopreserved oocytes. Fertility and Sterility115(6), 1437-1438.
  3. Goldman, R. H., Racowsky, C., Farland, L. V., Munné, S., Ribustello, L., & Fox, J. H. (2017). Predicting the likelihood of live birth for elective oocyte cryopreservation: a counseling tool for physicians and patients. Human reproduction32(4), 853-859.
  4. Darici, E., Loreti, S., Nekkebroeck, J., Drakopoulos, P., De Munck, N., Tournaye, H., & De Vos, M. (2023). O-081 A 10-year follow-up of reproductive outcomes in women returning after elective oocyte cryopreservation. Human Reproduction38(Supplement_1), dead093-095.
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