Sechslinge mit einem Embryo

Nun hatte ich kürzlich noch vollmundig behauptet, dass Sechslinge nicht durch eine IVF in Deutschland entstehen können, da hier nicht mehr als drei Embryonen eingepflanzt werden dürfen. Und schon beweist mir jemand das Gegenteil. Amerikanische Ärzte berichten über eine Sechslingschwangerschaft nach dem Transfer von nur einem Embryo!

Die einzige Erklärung, welche auch die behandelnden Ärzte dazu abgaben: Bei der Punktion sind vermutlich noch mehrere Eizellen im Körper verblieben, die Follikel wurden also nur unvollständig abgesaugt. Das Paar hatte noch mehrere Tage vor der Entnahme der Eizellen Verkehr, weshalb auch noch genügend Spermien unterwegs waren, um die verbliebenen Eizellen im Körper zu befruchten.

Die Schlußfolgerung der Kollegen: Einem Paar, welches theoretisch auch spontan schwanger werden kann, sollte man raten bereits mehrere Tage vor der Punktion keinen Geschlechtsverkehr mehr zu haben. Und außerdem sollte man versuchen, alle Eizellen bei der Punktion auch wirklich zu entnehmen, möchte man hinzufügen.

Mains L, Ryan G, Sparks A, Van Voorhis B
Sextuplets: An unusual complication of single embryo transfer.
Fertil Steril. 2008 Oct 28. [Epub ahead of print]

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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15 Kommentare
  1. Kira29 schreibt

    *grübel* Vielleicht bin ich nicht mehr ganz wach, aber kann es sein, dass Sie Transfer meinten???

  2. Elmar Breitbach schreibt

    nee, "Punktion" meinte ich, danke

  3. greta schreibt

    sorry, aber wenn jemand SOOO fruchtbar ist, warum macht der überhaupt ne Punktion/Transfer pipapo….?

  4. reaba schreibt

    zitat: "Einem Paar, welches theoretisch auch spontan schwanger werden kann, sollte man raten bereits mehrere Tage vor der Punktion keinen Geschlechtsverkehr mehr zu haben."

    hmm..? sollte man dem paar nicht raten (sofern ideopathische sterilität nicht vorliegt und körperlich alles o.b. ist)nach hause zu gehen und weiter zu versuchen schwanger zu werden auf die herkömmliche art und weise..?..soll ja auch klappen.. 😉

  5. ally schreibt

    reaba,

    ich denke, dass eben genau von paaren mit ideopathischer sterilität die rede ist. außerdem kann theoretisch jedes paar spontan schwanger werden, sofern überhaupt bewegliche spermien vorhanden sind und die einschränkung nicht auf seiten der frau liegt (ohne eileiter kann man eine spontane ss wohl wirklich ausschließen). es ist nur sehr unwahrscheinlich. ich war vor zwei monaten auch spontan schwanger trotz OAT III – das kommt durchaus vor. deshalb wäre ich jetzt aber nicht angetan, wenn meine kiwu-praxis mich nicht weiter behandeln würde, nur weil ich theoretisch auch so schwanger werden kann 😉

    lg, ally

  6. Elmar Breitbach schreibt

    Danke ally. Hauptaugenmerk liegt hier auf "theoretisch".

  7. bibab schreibt

    Bei meiner letzten ICSI, durch die ich auch schwanger wurde, riet man mir am Tag der PU auch vom GV innerhalb der kommenden Tage ab, da nicht alle Follikel punktiert werden konnten.
    Somit war ich als Patientin also im Bilde und fand es richtig, dass man mir das sagte. Ich hatte mir bei der besagten Behandlung extra nur einen Ebryo zurückgeben lassen, um keine Mehrlingsschwangerschaft zu riskieren.
    Siehe o.g. Beitrag: ist ja nicht das erste Mal, dass von solch Ereignissen berichtet wurde.

  8. reaba schreibt

    ally,

    deshalb schreibe ich ja: insofern ideopathische sterilität auszuschließen ist…

    in den alten befunden bei uns bezüglich der spermiogramme steht alles drin von OAT I-III , je nachdem wer es befundet hat…
    ohne dass bei den werten an sich große schwankungsbreiten aufgetreten wären…
    natürlich, weiß ich, dass es feste parameter gibt, die zur definition + stadieneinteilung von OAT führen…
    allerdings ist auch eigentlich wenig im reproduktionsbereich so potentiell veränderlich wie ein spremiogramm…

    deshalb finde ich es auch nicht ganz abwegig, wenn auch von reproduktionsmedizinern manchmal eben doch noch zu 4-6 übezyklen geraten wird (sofern denn OAT die einzige ursache ist).

    allerdings bin ich auch gern bereit einzurämen, dass sich sicht der dinge nach erfolgreicher reproduktion zum teil verändert darstellen in ihrer individuellen dringlichkeit als in der akuten zeit des kinderwunsches … und das ist eigentlich auch ok so.

    ärgerlich fände ich es, wenn das paar mit den sechslingen TROTZ aufklärung über mehrlingsrisiken etc. auf eigene faust bewußt nachgelegt hätte. das ist, besonders im sinne der frau und vor allem der kinder, echt unverantwortlich … wenn auch aus der kiwu-situation emotional erklärlich.

    ich hoffe, das ist jetzt klarer so 😉

  9. reaba schreibt

    @dr. breitbach:

    was nützt es auf die theoretische wahrscheinlichkeit abzuheben in einem bereich an dem am ende nur eines rauskommt: positiv oder negativ?

  10. Elmar Breitbach schreibt

    @ reaba, was nützt es dem Paar mit den Sechslingen, wenn die Wahrscheinlichkeit dafür nur theoretisch war?

  11. Kira4711 schreibt

    Also wenn ich eins nicht glaube, dann das. Sex vor Punktion hin oder her. Eins könnte ich mir ja noch vorstellen, aber Sechs?!! Hier flunkert doch jemand gewaltig.

  12. Ich schreibt

    Da stimmt aber etwas nicht:

    Die Ärzte meinen sie haben nur einen Embryo transferiert, es gibt aber auch den Verdacht dass es mehrere Embryos drin waren die sich befruchtet haben.
    Man kann aber ziemlich genau sehen wie die Mehrlinge sind, ob eineig, oder je Zwillis, Drillis oder aus wie viele Eier sie stammen.
    Daran denkt jemand?

  13. Ich schreibt

    Dann noch ein paar Gedanken:
    1. Wie viele Tage vor der PU darf man eigentlich kein GV haben?
    2. Die Spermien können aber vor ES nicht zu den Eizellen.
    Bei IVF/ICSI ist PU direkt beim ES (ausgelöst). Oder? Ich habe so etwas leider nicht gemacht, weiß also nicht genau.
    Dann verstehe ich wirklich nicht wie das sein könnte, bei denen.
    3. Das Paar müßte aber auch fruchtbar sein, gute Spermien um so lange zu überleben, gute Eizellen und GBM usw.

    Und man kann wirklich nicht wissen was bei IVF/ICSI, oder IUI rauskommt. Ein Arzt ist eben kein Gott.

  14. Elmar Breitbach schreibt

    @Kira4711: Das geht, das kann ich aus eigener Erfahrung sagen. Zumindest 5 geht…

    Und in "Fertility Sterility" wird nicht geflunkert.

  15. Bunstpecht schreibt

    Solange kein K.O.-Kriterium vorliegt (Azoospermie, undurchlässige Eileiter, etc.) gibt es sicherlich immer eine gewisse Restwahrscheinlichkeit für eine spontane Schwangerschaft. Wenn aber bei einem unfruchtbaren Paar nach einer Eizellentnahme fünf verbliebene Eizellen spontan befruchtet wurden, dann ist es äußerst unwahrscheinlich, dass dies alleine auf eine marginale Restwahrscheinlichkeit zurückzuführen ist.

    Nehmen wir mal an, die Wahrscheinlichkeit, dass eine reife Eizelle bei diesem Paar auf natürlichem Wege befruchtet wird, hätte 0.1 (10%) betragen. Die Wahrscheinlichkeit, dass fünf Eizellen auf einen Schlag befruchtet werden, hätte dann nur noch bei 0.00001 gelegen. Sicherlich ist das noch immer höher als Null. Deutlich wahrscheinlicher wäre in diesem Fall aber eine andere Erklärung:

    Was auch immer die Ursache der ungewollten Kinderlosigkeit war: zum Zeitpunkt der Eizellentnahme war das Problem vermutlich gar nicht (mehr) vorhanden. Unter Umständen reichte bereits die Stimulation aus, um die Ursache der Unfruchtbarkeit zu beseitigen. Ist denn bekannt, welche Behandlungsschritte in diesem Fall vor der IVF ausprobiert wurden?