PCO-Syndrom: Erfolge mit ketogener Diät?

ist die ketogene Diät die ideale Ernährung für Frauen mit einem PCO-Syndrom?

Aktuelle Studien zeigen, dass ketogene Diäten den Hormonhaushalt bei Frauen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCOS) verbessern können. Das PCO-Syndrom ist eine der häufigsten hormonellen Ursachen für einen ausbleibenden Eisprung. Das PCO ist häufig auch ernährungsbedingt und geht einher mit Insulinresistenz und Übergewicht. Es ist daher naheliegend, das Syndrom auch gezielt über die Ernährung zu behandeln.

Nur wenig Daten zum Effekt der ketogenen Diät auf das PCO-Syndrom

Allerdings gibt es nur wenige gute Studien über den Effekt der ketogenen Ernährung, also eine extrem kohlenhydratarme und proteinreiche Diät. Eigentlich verwunderlich, da wegen der oft vorhandene Insulinresistenz beim PCO-Syndrom ja ohnehin zu einer kohlenhydratarmen Ernährung geraten wird. Wenn es nur wenige Studien gibt, dann behilft man sich oft mit einer sogenannten Übersichtsarbeit, eine Metaanalyse, die die Ergebnisse mehrerer Studien zusammenfasst und dadurch aussagekräftiger ist als die einzelnen Studien

Die Autor*innen einer im „Journal of the EndocrineSociety“ veröffentlichte Studie1 taten nun genau das.

Analyse untersuchte Daten aus sieben Studien

Die Literaturrecherche ergab sieben auswertare Studien zur ketogenen Diät. An den Studien nahmen insgesamt 170 Teilnehmer aus Italien, China und den USA teil.

Die Ergebnisse von sieben Studien wurden zusammengefasst, um den Einfluss einer ketogenen Diät auf verschiedene wichtige Faktoren des PCO-Syndroms zu untersuchen. Die Dauer der Diäten variierte in den Studien zwischen 45 Tagen und und 24 Wochen.

Hormonwerte deutlich normalisiert

Bei fast allen Frauen mit einem PCO-Syndrom ist das Luteinisierende Hormon (LH) – also das eisprungauslösende Hormon – deutlich erhöht. Während bei Frauen mit einem normalen Zyklus und Hormonhaushalt das follikelstimulierende Hormon (FSH) meist höher ist als das LH, kehrt sich das Verhältnis der beiden Hormone zueinander bei einem PCO-Syndrom daher oft um. Man spricht dann von einer erhöhten LH/FSH-Ratio.

  • Unter dem Einfluss einer ketogenen Diät normalisierte sich diese „LH/FSH-Ratio“ meist wieder bis hinein in den Normbereich.

Oft findet sich beim PCO-Syndrom ein höherer Blutspiegel des „freien“, also nicht an Transportproteine gebundenen Testosterons. Dieses „männliche Hormon“ ist einer der Hauptauslöser des PCO-Syndroms und hält viele der damit vergesellschafteten Symptome am Laufen.

  • Eine ketogene Diät führt oft zu einer Erhöhung des Transportproteins SHBG. Dadurch wird das Testosteron gebunden und inaktiv.
  • Die ketogene Diät führte bei vielen der Frauen zu einem nachweislichen Gewichtsverlust
  • Ob Frauen mit dieser Diät leichter schwanger wurden, war den Daten jedoch nicht zu entnehmen.

Die Autoren und Autorinnen der Studie kommen zu dem Schluss, dass neben der Gabe von Medikamenten (z. B. Metformin und Clomifen) auch Änderungen des Lebensstils und eine ketogene Diät zu noch schnelleren Verbesserungen führen können. Diese Studien konzentrieren sich nun sehr auf den Einfluss der Ernährung. Daher sei hier auch der Hinweis erlaubt, dass jede Ernährungsumstellung sehr stark von zusätzlicher körperlicher Aktivität profitiert. Ohne ein wenig Sport hilft die beste Diät nichts

FAQ

Welche Kohlenhydrate sind beim PCO erlaubt?

Um Blutzuckerspitzen (und darauf folgende Insulinspitzen) zu vermeiden, sollte man – wenn überhaupt – keine reinen Kohlenhydrate zu sich nehmen, die rasch aufgenommen werden, sondern komplexe Kohlenhydrate, die nur langsam freigesetzt werden.

Keine Kohlenhydrate bei ketogener Diät. klar. Was ist mit Fett?

Eiweiß gibt einem nicht viel Energie, vor allem keine schnell verbrennbare, die wir immer benötigen. Daher ist Fett bei der ketogenen Diät der Energielieferant Nummer 1 und sollte 60% der zugeführten Nahrung ausmachen. Eine Diät, die fettreduziert und kohlenhydratereduziert ist, funktioniert nicht

Milch liefert doch viel Eiweiß, sollte man davon viel zu sich nehmen bei der ketogenen Diät?

Milch enthält recht wenig Eiweiß, aber viel Milchzucker. Damit sollte man also vorsichtig sein. die handelsübliche Milch enthält 4,8 % Milchzucker und nur 0,1 – 4,0 % Milchfett. und noch weniger (3,3 – 3,4 %) Milcheiweiß. Der Milchzucker hat bei großen Mengen an Milch den Nachteil, das Insulin zu aktivieren.

Wie lange darf man die ketogene Diät eigentlich machen?

In der Studie oben waren es bis zu 24 Wochen. Das ist aber länger, als man üblicherweise empfiehlt. Meist wird zu maximal 8 Wochen geraten, um dann schrittweise wieder mehr Kohlenhydrate in den Speiseplan einzubauen.

Ist die ketogene Diät für jeden geeignet?

Nein, vor allem Menschen mit Störungen der Leber- oder Nierenfunktion sollten davon absehen. Auch wenn man dann schwanger geworden ist, sollte man davon absehen.

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. Elmar Breitbach

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Khalid, K., Apparow, S., Mushaddik, I. L., Anuar, A., Rizvi, S. A., & Habib, A. (2023). Effects of Ketogenic Diet on Reproductive Hormones in Women With Polycystic Ovary Syndrome. Journal of the Endocrine Society7(10), bvad112.
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