Platelet Rich Plasma: Neue Hoffnung bei inaktiven Eierstöcken?

Kann eine Injektion von Blutplättchen in den Eierstock zu mehr Eizellen führen?

Foto von jlodder

Mit Platelet rich plasma (angereicherte Blutplättchen) hofft man, die Aktivität der Eierstöcke verbessern zu können. Neue Hoffnung bei künstlicher Befruchtung? Der Erfolg einer Künstlichen Befruchtung hängt unter anderem auch davon ab, genügend Eizellen gewinnen zu können. Frauen mit einer geringen Aktivität der Eierstöcke (low responder oder poor responder) haben demzufolge meist schlechtere Chancen.  Mit einer Injektion des Platelet rich plasma (PRP) in die Eierstöcke sollen die Chancen bei IVF und ICSI für low responder steigen.

IVF und ICSI: Schlechtere Chancen mit weniger Eizellen

Bei der künstlichen Befruchtung lässt sich nicht jede Eizelle befruchten und auch nicht jede befruchtete Eizelle entwickelt sich zu einem schönen Embryo (hier mehr zur Embryoqualität). Deshalb  benötigt man Reserven und möchte mehrere Eizellen für die IVF gewinnen. Nun gibt es Frauen, die entweder aufgrund ihres Alters oder aus genetischen Gründen nur wenige Eizellen bilden, auch wenn hochdosiert Hormone gegeben werden, um die Zahl der Eizellen zu erhöhen. In diesen Fällen kann man versuchen, dies durch eine möglichst individuelle angepasste Therapie zu erreichen. Die eigentliche Ursache -die geringe Aktivität der Eierstöcke – lässt sich jedoch bislang nicht gezielt behandeln.

Was ist Platelet Rich Plasma eigentlich?

Thrombozytenreiches Plasma (PRP) enthält durch Plasmapherese gewonnene Konzentrate von Blutplättchen. Thrombozyten enthalten Wachstumsfaktoren und Zytokine. Werden die Thrombozyten aktiviert, können diese Faktoren freigesetzt werden. Dadurch werden auch Zellen angezogen, deren Aufgabe die Förderung der Wundheilung ist. Vor allem in der Knochenchirurgie und Zahnmedizin kommt das Platelet Rich Plasma zur Anwendung. Auch in der Schönheitschirurgie und sogenannten „ästhetischen Medizin“ ebenso. Hier soll es neben einer verbesserten Wundheilung zur „Hautverjüngung beitragen.

PRP-Injektionen zur Verjüngung der Eierstöcke

Wenn mit Platelet Rich Plasma die Haut- und Knochenverjüngung funktioniert, dann könnte die PRP-Therapie doch auch zu einer „ovariellen Verjüngung“ führen. So ist zumindest die Idee, die hinter dieser recht neuen Therapie steht. Neu bedeutet, dass im Jahre 2016 erstmals über eine Injektion von PRP in die Eierstöcke berichtet wurde1. Hier wurde die Idee erstmals in die Tat umgesetzt, Platelet Rich Plasma direkt in die Eierstöcke zu spritzen, um deren Aktivität zu verbessern. Es gab Hinweise darauf, dass in Einzelfällen die Eierstöcke tatsächlich besser arbeiteten.

Studien zu PRP-Injektionen

Bereits wenige Studien mit wenigen Patientinnen reichten, um diese Methode direkt von vielen Kliniken durchführen zu lassen. Es fehlen bislang echte Belege für die Wirksamkeit der Methode. Dennoch haben viele Praxen haben die „Eierstockverjüngung“ bereits im Programm. Die Anwendung erfolgt so inflationär, dass Lloyd Atkinson in seinem Artikel zu dem Thema bereits die Frage stellte:“Intraovarian injection of platelet-rich plasma[..]: too much too soon2? Die Frage erscheint berechtigt. In dem Artikel werden die bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen Studien zusammengefasst. Und es gilt auch heute immer noch das Gleiche wie vor zwei Jahren: Man vermisst kontrollierte Studien, die als einzige Studienform die Wirksamkeit von medizinischen Methoden nachweisen können.

Kontrollierte Studien zu Platelet Rich Plasma

Nur mit einer Kontrollgruppe (wird oft auch Plazebogruppe genannt) lässt sich klären, ob die bislang beschriebenen positiven Effekte der PRP Injektionen Zufall sind oder tatsächlich eine Wirkung der Methode. Bislang gibt es nur wenige Studien dieser Art eigentlich nur 2 bislang34. Und diese sind aufgrund der geringen Zahl an Patienten und des Studiendesigns (nicht randomisiert = nicht zufällig verteilt auf Therapie bzw. Kontrollgruppe) nicht wirklich aussagekräftig.

Aktuelle Studie aus 2023

Das wollten die Autoren einer Studie aus diesem Jahr besser machen. Die Ergebnisse stellten sie bei der ESHRE in diesem Jahr vor. Hier wurde die Wirkung der Behandlung mit Platelet Rich Plasma bei Frauen < 38 Jahren untersucht, die zuvor mindestens 2 IVF-Behandlungen mit 2 oder weniger reifen Eizellen hatten5. 41 Frauen erhielten eine Injektion mit PRP und eine Kontrollgruppe mit 42 Frauen erhielt keine Behandlung. Untersucht wurde die Auswirkung des Behandlung auf folgende Faktoren:

  • Die Zahl der Eibläschen (Follikel), die im Ultraschall erkennbar sind (antraler Follicle cont = AFC)
  • Der AMH-Wert
  • Zahl der reifen Eizellen, die bei einer IVF oder ICSI gewonnen werden konnten
  • Zahl der reifen Embryonen im Blastozystenstadium, die sich daraus entwickelten
  • Zahl der genetisch normalen Embryonen
  • Zahl der eingenisteten Embryonen

Bei all diesen Parametern fand sich kein nennenswerter Unterschied zwischen der Gruppe der mit PRP behandelten Frauen und jenen, die diese Injektionen nicht bekommen haben. Der AMH-Wert stieg zwar im Schnitt von 0,73 ng/ml auf 0,99 ng/ml in der PRP-Gruppe. Aber wie gesagt: Das war statistisch nicht signifikant. “

Wie sehen die Autor*innen der Studie selbst ihre Ergebnisse?

  • Fehlende Plazebo-Behandlung: Es gab zwar eine Kontrollgruppe, aber bei der wurde statt der Injektionen mit PRP gar keine Behandlung durchgeführt. Stattdessen wäre eine Injektion mit Plazebo (Z. B. Kochsalzlösung) als Kontrolle notwendig. Denn die Injektion selbst könnte ja eine Wirkung haben: Ganz unabhängig davon, was man spritzt, erfolgt eine kleine Verletzung der Eierstöcke, was zu einer vermehrten Ausschüttung an Zytokinen und Wachstumsfaktoren führen könnte.
  • Zu kleine Zahl an behandelten Patientinnen: Mit einer größeren Zahl hätten grenzwertige Veränderungen (wie z. B. beim AMH) auch deutlicher und statistisch signifikant ausfallen können.
  • Keine Aussage zu Schwangerschaftsraten und vor allem der Zahl der Lebendgeburten.
  • Limitierung des Alters der Patientinnen auf <38. Viele der aktuell („to soon“) durchgeführten Behandlungen erfolgen ja in der Hoffnung, bei älteren Frauen den Eintritt der Wechseljahre hinausschieben zu können oder deren Wirkung aufzuheben.

Fazit zur „Eierstockverjüngung“ mit Platelet Rich Plasma

Die Zahl und Aussagkraft der bislang vorliegenden Studien lassen bislang keine abschließende Bewertung der Methode zu. Und in der aktuellen Studie (der bislang am besten gemachten) kommen die Autor*innen zu sehr zurückhaltenden Schlussfolgerungen6:

Die intraovarielle Injektion von PRP verbesserte keinen relevanten Parameter der durchgeführten Kinderwunschbehandlung. Unsere Ergebnisse unterstützen die routinemäßige Anwendung und häufig durchgeführte Anwendung von PRP zur Verbesserung der Chancen bei IVF nicht Ergänzung: Grundsätzlich könnte diese Behandlung hilfreich sein. Aber es fehlt der Beleg dafür und die Frage, wann es bei wem hilft, wäre dann auch noch zu klären.

Ausblick zur „Eierstockverjüngung“ mit Platelet Rich Plasma

Obwohl diese Behandlung also bereits vielerorts durchgeführt wird, fehlen Belege zur Wirksamkeit. Es fehlen also Studien, die aussagekräftig sind (prospektiv, randomisiert, plazebokontrolliert), um diese Methode entweder abschließend ganz zu verlassen oder dann doch gezielt bei jenen Frauen anzuwenden, bei denen sie wirklich hilft.

Eine solche Studie wird gerade an der Universitätsklinik Lübeck durchgeführt. Die „OPIF-Studie hat das Ziel, die Schwächen bisheriger Studien zu vermeiden. Es wäre zu wünschen, dass sich der grundsätzlich interessante Ansatz der Behandlung mit PRP für einen Teil der Frauen mit geringer Aktivität der Eierstöcke als sinnvoll herausstellt.

Noch Fragen?

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Pantos, K., et al. „Ovarian rejuvenation and folliculogenesis reactivation in peri-menopausal women after autologous platelet-rich plasma treatment.“ Abstracts, ESHRE 32nd Annual Meeting. 2016.
  2. Atkinson, L., Martin, F., & Sturmey, R. G. (2021). Intraovarian injection of platelet-rich plasma in assisted reproduction: too much too soon?. Human Reproduction36(7), 1737-1750.
  3. Sills, E. S., & Wood, S. H. (2021). Progress in human ovarian rejuvenation: Current platelet-rich plasma and condensed cytokine research activity by scope and international origin. Clinical and Experimental Reproductive Medicine48(4), 311.
  4. Melo, P., Navarro, C., Jones, C., Coward, K., & Coleman, L. (2020). The use of autologous platelet-rich plasma (PRP) versus no intervention in women with low ovarian reserve undergoing fertility treatment: a non-randomized interventional study. Journal of assisted reproduction and genetics37, 855-863.
  5. Herlihy, N., et al. „O-065 A multi-center randomized controlled trial of intraovarian injection of platelet rich plasma for women with poor ovarian response.“ Human Reproduction 38.Supplement_1 (2023): dead093-079.
  6. Intra-ovarian PRP injection did not improve reproductive outcomes by any relevant measure. Our findings do not support wide utilization of PRP to improve IVF outcomes in women with POR“ in: Herlihy, N., et al. „O-065 A multi-center randomized controlled trial of intraovarian injection of platelet rich plasma for women with poor ovarian response.“ Human Reproduction 38.Supplement_1 (2023): dead093-079.
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