Pille bei IVF: Gleichmäßigeres Wachstum der Follikel

Die Gabe einer „Antibabypille“ bei einer künstlichen Befruchtung ist Bestandteil von einigen Varianten der hormonellen Vorbehandlung. Zwei aktuelle Studien beschäftigen sich mit den Resultaten dieser Protokolle.

Eine niederländische Arbeitsgruppe[1] untersuchte dies an 64 Patientinnen die mit dem „Antagonisten-Protokoll“ stimuliert wurden. Die Hälfte erhielt eine Vorbehandlung mit einer Pille, die anderen 32 Frauen dienten als Kontrolle. Entweder 2-3 Tage nach Absetzen der Pille oder am 2. Tag des natürlichen Zyklus wurde mit der Stimulation begonnen. Ab dem 6. Stimulationstag wurde der Eisprung mit einem GnRH-Antagonisten unterdrückt.

Wie zu erwarten war, zeigten die eigenen Hormone der Patientinnen (FSH, LH und Östradiol) nach der Pilleneinnahme zu Beginn des Zyklus niedrigere Werte (signifikant; p < 0.001), in der frühen Stimulationsphase fanden sich weniger größere Follikel ( (p < 0.0001) und die Stimulationsdauer war nach Pillengabe länger (p < 0.0001). Jedoch war am Ende die Eizellausbeute im Vergleich zur Kontrollgruppe größer (13.5 bzw. 10.2, P < 0.001). Die Wissenschaftler berichten zusammenfassend über eine bessere Homogenität des Follikelwachstums mit mehr Follikeln bei gleicher Dosierung. Wobei dies sicherlich auch eine Frage der Dosierung ist. Würde man mit geringeren Dosen stimulieren, dann wäre bei gleicher Homogenität auch mit weniger Follikeln zu rechnen, was gelegentlich zu bevorzugen ist. Eine australische Arbeitsgruppe[2] führte eine ähnliche Studie durch (110 und 111 Frauen im Antagonisten-Protokoll mit bzw. ohne Pillen-Vorbehandlung, zusätzlich jedoch noch 111 Frauen mit einem klassischen langen Protokoll.

Zu Beginn des Zyklus waren die Hormonwerte der Frauen, die mit einem langen Protokoll behandelt wurden und jenen, welche die Pille erhielten recht ähnlich, die eigene Hormonproduktion also deutlich unterdrückt, analog zur ersten Studie. Auch hier wurde eine langsamere Reaktion der Eierstöcke nach der Pille beschrieben sowie eine längere Stimulationsdauer. Im Gegensatz zur ersten Studie war die Eizell-Ausbeute jedoch in allen Studiengruppen identisch, ebenso die Qualität der Embryonen. Die Wissenschaftler kommen daher zu dem Schluss, dass die Gabe der Pille Vorteile hat, wenn man den Zyklus zeitlich steuern möchte, sich ansonsten jedoch keine signifikanten Unterschiede ergeben.

[1]Huirne JA, van Loenen AC, Donnez J, Pirard C, Homburg R, Schats R, McDonnell J, Lambalk CB
Effect of an oral contraceptive pill on follicular development in IVF/ICSI patients receiving a GnRH antagonist: a randomized study.
Reprod Biomed Online. 2006 Aug;13(2):235-45

[2]Rombauts L, Healy D, Norman RJ; Orgalutran Scheduling Study Group
A comparative randomized trial to assess the impact of oral contraceptive pretreatment on follicular growth and hormone profiles in GnRH antagonist-treated patients.
Hum Reprod. 2006 Jan;21(1):95-103. Epub 2005 Oct 27.

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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