IVF: Mehrere Embryonen stören sich gegenseitig

Um die Schwangerschaftsraten bei einer *ivf* zu erhöhen, werden oft mehrere Embryonen transferiert (zurückgegeben). In Deutschland ist diese Zahl auf 3 reduziert. In anderen Ländern werden fast traditionell mehr Embryonen zurückgegeben (z. B. USA). In den skandinavischen Ländern ist eine Gegenbewegung entstanden: der „Single-Embryo-Transfer“ (SET). Auch deutsche Reproduktionsmediziner würden diesen gerne durchführen, jedoch limitiert das deutsche Embryonenschutzgesetz die Möglichkeiten dazu. Die Erfolge in Skandinavien (annähernd gleiche Schwangerschaftsraten und eine Mehrlingsrate von nur 1%) sind nur erreichbar, wenn man die Embryonen mit dem besten Einnistungspotential unmittelbar vor dem Transfer auswählen darf. Dies ist in Deutschland nicht gestattet, hier muß die Auswahl bereits am Tage nach der Punktion, im sogenannten Vorkernstadium.

Bisher nahm man an, dass die Reduzierung der Mehrlingsraten der einzige Vorteil des SET ist. Was zweifellos auch bereits ausreichen würde, um die Methode zu propagieren. Neuere Untersuchungen zeigen, dass möglicherweise auch die Entwicklung der Kinder durch die Rückgabe nur eines Embryos begünstigt wird.

In retrospektiven Untersuchungen sind IVF-Kinder im Durchschnitt leichter bei der Geburt und kommen früher zur Welt. Das gilt in diesen Studien auch für Einlingsschwangerschaften. Warum dies so ist, konnte bisher nicht geklärt werden. Möglicherweise gibt es nun einen entscheidenden Hinweis

Eine aktuelle Untersuchung legt nahe, dass es bei der Rückgabe von mehreren Embryonen zu einem Konkurrenzkampf in der Gebärmutter kommen könnte. Dafür spricht, dass nach der Rückgabe nur eines Embryos keine Unterschiede zu Schwangerschaftsverläufen nach natürlicher Konzeption festgestellt werden konnten, die beobachteten Risiken nur bei Transfer mehrerer Embryonen auftreten.

Sollten sich diese Beobachtungen bestätigen, wäre dies ein zusätzliches Argument, ernsthaft über eine Änderung des Embryonenschutzgesetzes nachzudenken.

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Xochitl schreibt

    Das müsste man allen deutschen Politikern auf den Tisch legen, damit die endlich aufhören, von Frauen im Zeugungsstreik zu labern und mal bitteschön ihre eigene Verantwortung für diese Situation reflektieren. Skandinavien macht es uns mal wieder vor!

  2. bibab schreibt

    Ich persönlich habe mich diesmal zum SET getraut und hatte viel Glück, denn es hat geklappt.Wenn man schon einige Jahre mitvefolgt, wieviele unglücklich endende Mehrlingsschwangerschaften es geben kann, welch Dramen sich dahinter verbergen, dann weiß ich-mal abgesehen von der Mehrbelastung als Zwillings(Drillings)mama, warum ich keine Zwillingsschwangerschaft riskieren wollte.Aber das hätte ich vor 4 Jahren auch anders gesehen.
    Schade, daß wir in D noch nicht so weit sind wie in Skandinavien, aber was nicht ist, kann ja noch werden.Wollen wir´s hoffen.