Darf´s auch einer mehr sein?

Die beste Möglichkeit, Mehrlinge zu vermeiden ist bei der künstlichen Befruchtung die Rückgabe von nur einem Embryo, also der sogenannte „Single-Embryo-Transfer“ (SET). Selbst unter sehr strengen Auswahl-Kriterien für die Embryonen und dem Vorhandensein einer entsprechenden rechtlichen Basis, sind die Chancen auf eine Schwangerschaft pro Transfer geringer als mit zwei Embryonen. Nimmt man jedoch die Schwangerschaften hinzu, die mit Hilfe vormals eingefrorener Embryonen („Kryotransfer„) entstehen, hinzu sind die Ergebnisse durchaus vergleichbar, wenn die richtigen Patientinnen ausgewählt werden, also junge Frauen mit generell guten Schwangerschaftsraten.

Weniger Mehrlinge sind wichtig, schwanger werden aber auch
Tolerieren die Patienten jedoch eine mögliche Verschlechterung der Chancen, um Mehrlinge zu vermeiden? Sind die Chancen innerhalb von drei Behandlungen plus evtl. möglicher Kryozyklen ähnlich gut nach einem Transfer von einem oder zwei Embryonen, dann entscheiden sich 46% der Paare für den Single-Embryo-Transfer, auch wenn die Zahl der Behandlungszyklen höher ist, da mehr Kryotransfers einzelner Embryonen durchgeführt werden können und auch müssen.

Aber schon eine geringe Verminderung der Erfolgsraten erhöht die Risikobereitschaft, wie eine niederländische Arbeitsgruppe herausfand. Sind die Chancen für eine Schwangerschaft 1%, 3% oder 5% niedriger, dann entscheiden sich nur noch 34%, 24% und 15% der Paare für den SET. Prü 2 Prozentpunkte Chancenverminderung sind das erstaunliche 10% mehr, die sich gegen die Rückgabe nur eines Embryos entscheiden.

Die Leidensfähigkeit sinkt nicht so schnell
Unter der theoretischen Annahme, dass 4, 5 oder gar 6 Punktionszyklen mit SET die gleichen Ergebnisse wie drei Punktionszyklen mit dem Transfer von zwei Embryonen erzielen, fällt die Entscheidung für den SET von ursprünglich 46 auf 40%, 36% und 35%. Das ist ein deutlich geringerer Abfall, wobei erstaunlich ist, dass es den Frauen vermutlich ziemlich egal zu sein scheint, ob sie 5 oder 6 Mal eine Punktion über sich ergehen lassen müssen.

Twisk M, Veen FV, Repping S, Heineman MJ, Korevaar JC, Bossuyt PM.
Preferences of subfertile women regarding elective single embryo transfer: Additional in vitro fertilization cycles are acceptable, lower pregnancy rates are not.
Fertil Steril. 2007 Apr 6; [Epub ahead of print]

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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7 Kommentare
  1. bibab schreibt

    Je länger man sich in Kinderwunschbehandlung befindet und parallel dazu Paare kennengelernt hat, die Zwillinge bekommen haben bzw. auch traurige Schicksale erlebt/mitbekommen hat aufgrund von späten Fehlgeburten, desto mehr Respekt bekommt man, was die Anzahl der transferierten Embryonen betrifft.
    Anfangs war ich da auch recht gutgläubig und habe gesagt: Hauptsache schwanger werden!
    Das sehe ich heute anders, konnte aber auch relativ entspannt an die letzte (erfolgreiche) Behandlung rangehen, da ich ja schon ein Kind an meiner Seite habe.
    Dann noch Zwillinge oder gar Drillinge zu bekommen, war für mich absolut nicht vorstellbar, daher der Entschluß zum SET, der Gott sei Dank sofort geklappt hat.Ich hätte wahrscheinlich noch mehrere Behandlungen mit SET durchgezogen und hätte es dann irgendwann aufgegeben, aber ob ich mir nochmal zwei Embryonen zurückgeben lassen hätte, wage ich zu bezweifeln.Leider ist der finanzielle Gesichtspunkt für viele Druck genug, alles zu probieren, um schwanger zu werden 🙁 , was ich absolut nachvollziehen kann.

  2. atonne schreibt

    Bei mir hat sich die Bereitschaft, es mit 3 statt 2 Embryonen zu versuchen, ganz erheblich mit der Anzahl der Versuche gesteigert. Eine PU ist zwar nicht eine so belastende Erfahrung, aber zusammen mit der WS etwas, dass ich doch lieber vermeiden würde, wenn ich könnte. Natürlich sind Zwillis oder gar Drillis ein Risiko, aber nach relativ vielen Versuchen ist die Wahrscheinlichkeit doch sehr gering, dass es dazu kommt. Und klar, hört man immer wieder Geschichten, die nicht gut ausgehen (ich habe eine im persönlichen Umfeld), aber es gibt doch auch genug Fälle, wo es gut gehen kann. SET kann ich mir für mich gar nicht vorstellen, denn wenn es einmal geklappt haben sollte, werden wir wohl keine Versuche für ein Geschwisterchen machen, denn da bedeutet den ganzen Stress von vorn. Da sind Zwillis natürlich willkommen. So denkt man aber wohl erst nach mehreren Versuchen. Beim ersten Versuch hätte ich mich wohl auch zu einem SET, natürlich unter optimalen, sprich nicht deutschen, Bedingungen.
    Daher auch meine Frage: Wann hat man die Paare denn gefragt? Vor der ersten PU oder nachdem sie bereits einige Versuche hinter sich hatten?

  3. Rebella schreibt

    Die Antworten sind ja sehr paradox. Da sieht man mal wieder, dass die meisten Menschen nicht rechnen können. Wer bei 1% weniger Erfolgsaussichten vom SET abspringt, aber nicht dann, wenn doppelt so viele Punktionen erst zum Erfolg führen, mit dem kann ich irgendwie nicht mit.

  4. Nella schreibt

    Versteh einer die menschliche Psyche!
    Da verläßt einen die Mathematik…
    Irgendwie scheinen die meisten Menschen Zahlen zu "fühlen", aber ihnen nicht einen reellen Wert zuzuordnen.

    Allerdings: das Problem ist ja auch vielschichtig. Man will ein Kind. Unbedingt. Aber man hat Angst vor Mehrlingen. Aber vielleicht auch Hemmungen, potentielle Kinder (Vorkernstadium) wegzuwerfen. Oder zwei Kindern zugleich nicht gerecht zu werden. Oder sich Zwillinge nicht leisten zu können. Oder sich einen weiteren Versuch nicht leisten zu können. Oder man hat ja schon ein Kind und im nächsten Versuch ist alles absolut anders. Oder man hat gerade von erfolgreicher Drillingsgeburt gelesen. Oder von der Zwillingsfehlgeburt. Oder von Versuch "IVF 10" einer Bekannten, die jetzt endlich nach Transfer von 3 schwanger geworden ist. Oder oder oder…..

    Bei so einer emotional überladenen Entscheidung, wer rechnet da schon noch sauber nach?

    Um so wichtiger, dass die Gesetzgebung Erfolge ohne zu großes Risiko ermöglicht.

    Und dass der Arzt die nicht voll rechnungsfähigen Patienten verantwortungsvoll führt. Wovon wir natürlich immer ausgehen.

    Nella

  5. Andra n.e schreibt

    Erst mal würde ich ein Unterschied machen zwischen Mehrlinge und Zwillinge. Die letzten sind m.E nicht so ein Problem. Ich hätte mich darauf gefreut, da ich mir zwei Kinder gewünscht hatte, aber nur eine Schwangerschaft.
    Mir ist klar das eine SS mit Zwillis schwieriger ist für die Mutter, aber ob und warum so viele Risiken für die Kinder immer in der Diskussion gebracht werden verstehe ich nicht.
    Und nicht zu vergessen:
    1. Zwillis, sogar auch Drillis können auch auf natürlichem Weg entstehen. Was machen wir dann? Abtreiben? Einen töten?
    2. Auch aus einen Ei können Zwillis, vielleicht auch Drillis entstehen. Wie macht dann das zu vermeiden?
    Wie ich schon früher sagte: Keiner ist Gott um zu wissen ob und wie viele Kinder aus Embryos entstehen.
    Und bei den Quoten für SS die KB bringt (sehr klein) und die Preise, Entschuldigung, da muß man sich gut überlegen. Ideale Lagen sind immer ideal, aber selten praktisch zu bekommen.

  6. Andra n.e schreibt

    Ich frage mich noch etwas, so aus Kuriosität.
    Es ist so dass Tiere gewöhnlich mehrere Kinder bekommen können/dürfen auf ein Mal. Irgendwo habe ich gelesen dass jedes Tier so viele Mehrlinge (nenne wir sie so) bekomen kann wie viele Zizten sie haben, damit sie gut versorgt sein können.
    Große Tiere haben meistens 1-2 Zitzen, kleine Tierse sogar mehr. Kühe, Elefanten usw. bekommen folglich selten 2 Kinder auf einmal. Hunde, Katzen usw. kriegen mehrere.
    Nun hat man bei Tiere nicht so viele Probleme gemerkt bei SS mit Mehrlinge.
    Bei Menschen kann man sagen dass ie Zwillinge ganz natürlich und ohne Probleme bekommen können. Sie werden dafür so gebaut. Warum nun die Angst und das Problem des Risikos, frage ich mich. Bei Mehrlinge, dei aber nur selten kommen, kann ich ja verstehen. Und ich komme zurück zur grundsätzliche Frage: was ist eigentlich wichtiger für eine SS: Befruchtungsrate oder Einistung?

  7. Andra n.e schreibt

    Durch KB bekommt man gewöhnlich mehrere Embryos, man transferiert auch 2-3, aber so oft kommt keine SS, also denke ich an die Einistung. Dort müßte man arbeiten, um sie zu optimieren. Damit kann man dann auch nur wenigere Embryos benützen.
    Ältere Frauen die SS durch Eizellspende werden danken ihre SS auch eher der guten Einistung, weil irgendetwas müßen sie auch selber machen. Sie haben keine Eizellen mehr, aber dafür eine gute Einistung.
    Bin sehr verwirrt von diese ganze Theorie der Mehrlinge.
    Und es gibt so viele gesunde Zwillis auf der Welt. Echt, jetzt.