Der ERA-Test zur besseren Einnistung: Wirklich hilfreich?

Hilft der ERA-Test beim besseren Timing des Transfers?

Der ERA-Test („Endometrial Receptivity Array“) soll helfen, den besten Zeitpunkt für den Embryotransfer zu finden, um die Chancen auf eine Einnistung zu erhöhen. Stimmt das?

Vor einiger Zeit hatte ich im Forum und hier im Blog dazu aufgerufen, die ganzen „Add-Ons“, also Zusatzmaßnahmen zur künstlichen Befruchtung zusammenzufassen, die angeboten werden, um die Chancen auf eine Schwangerschaft zu erhöhen. Die Liste ist recht lang geworden und noch sind nicht alle Punkte abgearbeitet. Aber nun gibt es wieder einen neuen Punkt: Den ERA-Test.

Bessere Chancen auf Einnistung durch besseres Timing?

Die Idee hinter dem Test wird auf unserer entsprechenden Seite im Theorieteil ausführlich erläutert. Hier noch einmal die Kurzfassung: Der ERA-Test („Endometrial Receptivity Array“) soll helfen, den besten Zeitpunkt für den Embryotransfer zu finden, um die Chancen auf eine Einnistung zu erhöhen. Dazu wird eine Biopsie aus der Gebärmutterschleimhaut durchgeführt und 238 Genaktivitäten untersucht, die für die Implantation von Bedeutung sein könnten.

Mit Hilfe dieser Untersuchung bestimmt man dann das individuelle Implantationsfenster, also den besten Zeitpunkt für den Embryotransfer. Offenbar ist dieser Zeitpunkt bei fast einem Drittel der Frauen verschoben und der Transfer muss dann nach vorne oder hinten geschoben werden, um die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.

Bislang keine kontrollierte Studie zum ERA-Test

Kontrollierte Studien sind wichtig, um eine positiven Effekt einer medizinischen Maßnahme vom Zufall unterscheiden zu können. Medizinische Maßnahmen sollten häufiger einen positiven Effekt haben als die Kotrollgruppe, die entweder nicht behandelt wird, oder ein Placebo bekommt. Nur eine Studie aus dem Jahre 20221 hat dies mit einer ausreichend großen Anzahl an Patientinnen durchgeführt: Bei allen Frauen wurde der ERA-Test durchgeführt. Bei der Hälfte wurde das Testergebnis nicht berücksichtigt und der Embryotransfer zum Standardzeitpunkt durchgeführt. Bei der anderen Hälfte erfolgte der Transfer zum (nach ERA-Test) optimalen individuellen Zeitpunkt.

Ergebnisse nach ERA-Test möglicherweise schlechter

Im Theorie-Teil wird das Ganze noch etwas ausführlicher erläutert (und später dann auch regelmäßiger aktualisiert), aber hier die kurze Zusammenfassung.

Es gab also drei Gruppen:

  • Transfer nach Standardtiming und (zufällig) auch passend zum ERA-Testergebnis.
  • Transfer nach Standardtiming und (zufällig) außerhalb des besten Zeitfensters gemäß ERA-Test.
  • Transfer nach individualisiertem Timing durch den ERA-Test.

Heraus kam das hier:

ERA-TestTatsächlich zeigte sich, dass die Ergebnisse in der Kontrollgruppe (Standardtiming des Transfers) signifikant besser waren als die Ergebnisse nach Anpassung durch den ERA-Test. Und es war dabei völlig egal, ob das durch den ERA vorgegebene Implantationsfenster getroffen wurde oder nicht.

Für einen Test, der seit 10 Jahren kommerziell angeboten wird und ca. 1.000 Euro kostet, ein ziemlich enttäuschendes Ergebnis.

Alternativen und Ausblick?

Auch wenn die Ergebnisse mit den gebräuchlichen Tests dieser Art enttäuschend sind, die grundsätzliche Idee ist ja nicht schlecht und so wird auf dem Gebiet weiterhin geforscht. Manches davon mag sich in Zukunft noch als nützlich erweisen. So zum Beispiel eine kürzlich in NATURE publizierte Methode, von der man sich eine genauere Aussage zum Implanationsfenster erhofft2.

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Doyle, N., Jahandideh, S., Hill, M. J., Widra, E. A., Levy, M., & Devine, K. (2022). Effect of timing by endometrial receptivity testing vs standard timing of frozen embryo transfer on live birth in patients undergoing in vitro fertilization: a randomized clinical trial. Jama328(21), 2117-2125.
  2. Meltsov, A., Saare, M., Teder, H., Paluoja, P., Arffman, R., Piltonen, T., … & Krjutškov, K. (2022). Targeted gene expression profiling for accurate endometrial receptivity testing. medRxiv, 2022-06.
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.