Schwere Endometriose: Schlechtere Schwangerschaftsraten?

Endometriose ist eine Erkrankung, die bei Frauen mit Kinderwunsch gehäuft (ca. 25%) auftritt und die Prognose für eine Schwangerschaft verschlechtert. Abgesehen von den offensichtlichen organischen Schäden, die diese Erkrankung hervorruft (Verwachsungen und Verschlüsse der Eileiter z. B.) vermutet man auch andere Ursachen. Dass immunologische und andere Faktoren eine Rolle beim unerfüllten Kinderwunsch der Endometriose-Patientin eine Rolle spielen, ist der Tatsache zu entnehmen, dass auch eine chirurgisch komplett sanierte Endometriose die Chancen, auf normalem Wege oder mit einfachen Methoden (Hormongaben, Insemination) schwanger zu werden, beeinträchtigt.

Aber auch bei der künstlichen Befruchtung, also vornehmlich der IVF wird oft angenommen, dass bei Endometriose-Patientinnen die Chancen schlechter seien. Vornehmlich wird eine fraglich schlechtere Eizellqualität hier als Ursache genannt.

Dieser Frage widmet sich eine eine aktuelle Studie sytematisch. Hier wurden 68 Patientinnen mit einer durch Bauchspiegelung gesicherten Endometriose der Stadien III und IV zunächst einer Operativen Beseitigung der Endometriose unterzogen und anschließend mit einer IVF behandelt. Die Ergebnisse wurden mit denen von 106 Frauen verglichen, die wegen einer gestörten Eileiterfunktion aus anderen Ursachen ebenfalls mit der Reagenzglasbefruchtung behandelt wurden und keie Endometriose aufwiesen.

Bei der Behandlung fiel auf, dass die Reaktion auf die Hormongaben bei Endometriose-Patientinnen schlechter ausfiel. Niedrigere Follikel- und Eizellzahlen und schlechtere Östrogenwerte waren hier im Vergleich zur Kontrollgruppe zu verzeichnen. Insgesamt sollte man also davon ausgehen, dass die Erfolgsraten demzufolge niedriger waren.

Dem war aber nicht so. Die Befruchtungsraten der Eizellen, die Weiterentwicklung zu Embryo, die Einnistungsrate und der Verlauf der Schwangerschaft zeigte keine statistisch signifikanten Unterschiede zur Kontrollgruppe ohne Endometriose.

Obwohl Frauen mit einer operierten Endometriose also schlechter auf Hormone reagieren, scheint die Embryonenqualität und die Fähigkeit der Gebärmutter, eine Einnistung zuzulassen im Rahmen einer IVF von dieser Erkrankung nicht beeinträchtigt zu sein.

Matalliotakis IM, Cakmak H, Mahutte N, Fragouli Y, Arici A, Sakkas D
Women with advanced-stage endometriosis and previous surgery respond less well to gonadotropin stimulation, but have similar IVF implantation and delivery rates compared with women with tubal factor infertility
Fertil Steril. 2007 Mar 7; [Epub ahead of print]

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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2 Kommentare
  1. Greta schreibt

    Hm, ja, WENN man denn mal schwanger wird, scheints also normal zu laufen.

    Mich würd aber mal interessieren, wie ein ständiges Einbluten im Bauchraum auf die Immunologie wirkt…..

    *weitergrübelobwohleigentlichzuspät*

  2. E. Breitbach schreibt

    nee, die Aussage ist ja auch, dass es bei einer IVF keinen Unterschied macht, ob man Endometriose hat oder nicht. Und ja, die Schwangerschaften verlaufen genauso häufig normal wie ohne Endometriose