Künstlicher Befruchtung: Chancen auf ein Kind mit 43+

Wieviele IVF-Zyklen sind ab 42 sinnvoll?

Bis zu welchem Alter eine künstliche Befruchtung sinnvoll ist, wurde immer wieder in Studien untersucht, zuletzt hatten wir hier vor 8 Jahren eine Studie vorgestellt, deren Daten man entnehmen konnte, dass ab 44 eine IVF oder ICSI nicht mehr sinnvoll ist. Die meisten Studien zu diesem Thema nennen eine ausreichend gute Erfolgsrate bei Frauen, die 42 oder jünger sind. Wie sind die Chancen jedoch bei 43 aufwärts (43+)?


Hier noch einmal eine Übersicht über die „kumulative Lebendgeburtenrate“ in Abhängigkeit von Alter und Zahl der gewonnen Eizellen:

alter_und_eizelzahl_ivf

„Kumulativ“ bedeutete in dieser Studie allerdings, die Chance auf ein lebendes Kind pro Eizellentnehme (Punktion) und dem Verbrauch aller verwendbaren Eizellen inklusive der eingefrorenen.

Kumulative Lebendgeburtenrate im Alter ≥ 43

Eine aktuelle Studie untersuchte nun die altersabhängige Wahrscheinlichkeit, ein Kind zu bekommen und zwar mit bis zu 10 IVF-Behandlungen1. Die Studie basiert auf Daten aus den USA. Sie beinhaltet die Behandlungsergebnisse von 24.650 Frauen, die in den Jahren 2014 bis 2020 insgesamt 58.132 künstliche Befruchtungen durchführten. Einige Frauen erhielten dabei bis zu 10 Behandlungen.

Die Ergebnisse für die jeweiligen Altersgruppen stellten sich wie folgt dar:

AlterKumulative Lebendgeburtenrate nach bis zu 10 Behandlungen
439,7%
448,6%
455,0%
463,6%
472,5%
481,5%
492,7%
≥ 501,3%

Wie viele Behandlungen sind sinnvoll?

Das sind also die Zahlen, die insgesamt erreichbar sind. Knapp 10 Kinder, wenn man 43 Jahre alt ist und um die zwei, wenn man Ende 40 ist. Wie lag ist nun der Weg zu diesen Ergebnissen. Wie viele Behandlungen sind also sinnvoll? Gerade bei älteren Frauen würde man ja erwarten, dass die Chance auf eine Schwangerschaft pro Zyklus zwar gering ist, es sich aber lohnt, viele Behandlungszyklen durchzuführen, bis endlich die eine gute Eizelle dabei ist. So scheint es aber nicht zu sein.

Es ist recht gut erkennbar, dass die Kurven alle abflachen. Generell scheint es in allen Altersgruppen nicht viel zu bringen, mehr als 5-6 Behandlungen durchzuführen, weil dann kaum noch Schwangerschaften hinzukommen. Mit 43 bis 44 erreicht man noch den oberen einstelligen Bereich mit der Lebendgeburtenrate, ab 46 überschreitet man auch nach mehreren Behandlungen die 3% kaum noch.

Während mehr als 5 Zyklen bei 43 und 44jährigen Frauen die Chance auf ein Kind nicht mehr verbesserten, wird das Plateau ab 45 Jahren schon nach 3 Zyklen erreicht. Offenbar sind bei älteren Frauen also eher weniger Zyklen sinnvoll. Noch stärker ist dies bei Frauen ab 47 ausgeprägt. Hier ist ab dem ersten Zyklus keine Verbesserung der Erfolgsraten mehr zu erkennen.

Wie geht man also am besten bei Frauen über 40 vor?

Ob man nun die gleichen Schlüsse aus diesen Zahlen zieht wie die Autor*innen der Studie, muss man auch dem Leser selbst überlassen. Bis zum 42. Geburtstag sind die Chancen meist noch recht gut. Zumindest, wenn die Eierstöcke gut mitarbeiten, gilt dies. Umstritten ist jedoch eine sinnvolle Altersgrenze. Durch diese Studie scheint diese – wie bei vielen anderen Studien auch – bei 45 zu liegen. Und wenn man dennoch einen Versuch unternimmt, dann ist es besser, wenn man sich auf 2 Therapiezyklen beschränkt. Ab dem dritten Zyklus wird die durchschnittlichen Lebendgeburtenrate nur noch um 0,5% gesteigert.

Bei den „jüngeren Frauen“ (43-44) sind jedoch 4(-5) IVF-Zyklen erfolgversprechend.

Insgesamt muss man beachten, dass diese Zahlen zur altersabhängigen Wahrscheinlichkeit einer Geburt auf begonnenen und zu Ende (also bis zum Embryotransfer) geführten Zyklen beruhen. Dahinter stehen noch viele weitere Zyklen, in den die Frauen gar nicht mit der Hormonbehandlung beginnen konnten und weitere, bei denen die Befruchtung ausblieb oder erst gar keine Eizellen gewonnen werden konnten.

Natürlich kann man auch bei schlechten Chancen eine künstliche Befruchtung durchführen, aber man muss diese Zahlen mit den Patient*innen besprechen.

 

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Seifer, D. B., Wang, S. F., & Frankfurter, D. (2023). Cumulative live birth rates with autologous oocytes plateau with fewer number of cycles for each year of age> 42. Reproductive Biology and Endocrinology21(1), 94.
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.