Marihuana kann das Erbgut von Spermien beeinflussen

Spermien-DNA kann durch Marihuana geschädigt werden

Die gute Nachricht: Marihuana schädigt das Erbgut der Spermien nicht. Die schlechte: Der Wirkstoff THC kann die Arbeitsweise der DNA ändern (Epigenetik)

So kann es gehen. Gerade ein Jahr ist es her, dass ich die werte Leserschaft beruhigen konnte. Zumindest jene, die Marihuana oder andere THC-haltige Substanzen zu sich nehmen. Dies zeigte eine Studie, die sich auf die Daten von 4.000 befragten Frauen mit Kinderwunsch stützen. Auch 1.125 Männer wurden zu ihrem Drogenkonsum befragt. Denn hier fand sich kein Zusammenhang zwischen dem Genuss Marihuana und der Fruchtbarkeit.

Bereits damals kam ich jedoch nicht umhin, darauf hinzuweisen, dass es auch andere Studien gibt, die vor allem bei Männern fruchtbarkeitsmindernde Effekte feststellte. Und nun gibt es eine weitere Untersuchung, die nicht nur die Spermienqualität und den Eintritt eine Schwangerschaft untersuchte, sondern den Effekt des Marihuana auf die Spermien-DNA.

Marihuana ändert die Arbeitsweise der Spermien-DNA

THC-haltige Stoffe stehen auch in dem Ruf, die DNA von Spermien direkt zu beeinträchtigen und diese zu fragmentieren. Das kann man durch bestimmte Untersuchungen feststellen und nachweisen. Allerdings sind diese Untersuchungen weder besonders zuverlässig noch aussagekräftig. Aber auch wenn diese direkte Veränderung der DNA im Sperma nicht stattfindet, dann kann dennoch die Arbeitsweise der Gene beeinflusst werden.

Nur die wenigsten Gene auf einem Strang Erbgut wird wirklich benötigt. Auf der DNA einer jeden Zelle befinden sich viele Gene, die nicht aktiv sind. Die Aktivierung oder Nichtaktivierung wird durch einen Mechanismus verursacht, der sich „Methylierung“ nennt. Durch diese Methylgruppen werden Gene ausgeschaltet. Das ist durchaus wünschenswert, den vieles von dem genetischen Code wird nicht benötigt.

Gene steuern meist die Herstellung von Eiweißen, die dann wiederum als Enzyme bestimmte Stoffwechselprozesse im Körper steuern. Es handelt sich also um hochkomplexe Produktionsketten, die dann gestört werden können, wenn zu viele Gene aktiv sind oder die falschen Gene ausgeschaltet wurden. Weil es sich hier nicht um eine Veränderung der Gene selbst, sondern deren Arbeitsweise handelt, nennt man diese Abläufe auch Epigenetik.

Und an Ratten aber auch an Menschen ließ sich unter dem Einfluss des Marihuana ein Einfluss auf diese epigenetischen Abläufe feststellen1. Die Spermien-DNA von 24 Probanden, die regelmäßig (1x wöchentlich mindestens) wurde mit dem von abstinenten Männern verglichen. Die Ergebnisse der Studie wurden in „Epigenetics“ veröffentlicht.

Viele verschiedene Gene im Erbgut der Spermien betroffen

Die Veränderung der Methylierung betraf viele verschiedene Gene in der DNA der Marihuana-Konsumenten. Der Einfluss der Veränderungen ist nicht sicher vorhersagbar, dazu sind die von den Genen gesteuerten Prozesse zu komplex. Die Hauptautorin der Untersuchung – Susan Kay Murphy – geht davon aus, dass auch wichtige Stoffwechselprozesse betroffen sein können. Offenbar ist der Effekt dosisabhängig, denn er korreliert mit der im Urin gemessenen THC-Konzentration.

Gesundheit der Kinder gefährdet?

Ob dadurch dann zu einer Beeinträchtigung der Gesundheit der durch die Spermien gezeugten Kinder kommen kann, ist aus dieser Studie  nicht ableitbar. Dazu sind die Zahlen der untersuchten Männer zu gering, selbst, wenn auch die Versuche an Ratten ähnliche Ergebnisse zeigten.

Weitere Studien sind notwendig und auch in Planung. Der Effekt selbst und sein Einfluss auf die Nachkommen muss besser belegt werden. Es muss geklärt werden, ob die Änderungen rückgängig zu machen sind und wie lange dies ggf. dauern wird. Die Ergebnisse der aktuellen Studie sind ist mit großer Vorsicht zu bewerten, so die Autorin. Sie sind nicht dazu da „jemandem Angst einzujagen“.

Wem das dennoch Angst macht, der findet hier noch ein paar Tipps, wie man seine Spermien verbessern kann.

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

Literatur

  1. Murphy SK et al.
    Cannabinoid exposure and altered DNA methylation in rat and human sperm.
    Epigenetics. 2018 Dec 6. doi: 10.1080/15592294.2018.1554521
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Kommentar

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1 Kommentar
  1. Till schreibt

    Danke für die gute Zusammenfassung der Studie, die wird ja leider an vielen Stellen falsch bzw. mit einem gewissen Alarmismus zitiert.

    Gut finde ich insbesondere den Hinweis, auf die geringe Aussagekraft der Daten. Ich habe mich eben mal durchgekämpft und als empirisch arbeitender Volkswirt standen mir an vielen Stellen die Haare zu Berge 😉

    Genauso so gilt natürlich, dass ich als medizinischer Laie vieles nicht beurteilen kann und würde bei Kinderwunsch die Finger vom Joint lassen. (Wobei einiger der Probanden mit um die 500 ng/ml Urin auch wahrlich keine Gelegenheitskonsumenten sind, das sollte man sich auch mal durch den Kopf gehen lassen, bevor man wegen einem Zug am Joint die Familienplanung aufschiebt)