Kinderwunsch-Internetforen: Gefahr oder Chance?

Der Ausfall unseres Servers über fast eine Woche hat viele Nerven gekostet. Vor allem Stefan und die Techniker unseres Providers, der die Server betreut. Ich konnte in der Zeit wenig selbst machen und habe mich durchaus über die gewonnene Zeit gefreut, die ich anderen Dingen widmen konnte. Unter anderem natürlich auch unser Facebook-Fanpage und unserem Twitter-Account. Nein, natürlich hatte ich auch ein paar Ideen für zusätzliche Offline-Aktivitäten 😉 .

Haben die denn eigentlich alle kein Zuhause?

Das ist bei kürzeren Ausfällen – die uns ja immer mal wieder ereilen – die Frage, die ich mir dann angesichts des allgemeinen Wehklagens über das fehlende Forum stelle. Diesmal war ich aber auch soweit, dass sich Entzugserscheinungen breit machten. Ich möchte das mal zum Anlass nehmen, um auf ein Posting aus dem Forum (die Überschrift habe ich gleich mal geklaut) hinzuweisen, welches sich kritisch mit dem Phänomen des Forums auseinandersetzt, wobei man dazu sagen muss, dass vieles auch allgemeingültig für Foren ist.

[…] zeigen mir dieser und frühere Ausfälle auch die gewachsene Abhängigkeit. Die Flucht ins Netz … mehrere Stunden tagtäglich vor dem Rechner. Ich habe meine Frau selten so besorgt erlebt in der Zeit des Ausfalls.

Ganz klar: das ist nicht normal. Ich denke zwar schon, dass es heutzutage normal ist, soziale Kontakte im Internet zu knüpfen und zu pflegen, es darf jedoch nicht soweit gehen, dass man seine Offline-Kontakte nur noch über Facebook sieht.

„Genius1650“ weist jedoch mit Recht auf eine Sonderproblematik im Zusammenhang mit dem unerfüllten Kinderwunsch hin: Das Thema ist tabuisiert und Gespräche im sozialen Umfeld außerhalb des Internets sind oft weder möglich noch gewünscht:

Dieses Forum ist ein virtueller Ort des Verstehens und des Verstanden Werdens. Daher ist der Kontakt zu Gleichgesinnten auf diese Art sehr sinnvoll, denn diese Austauschmöglichkeiten hat man im „wirklichen“ Leben leider nicht.

Foren als Quelle der Verunsicherung

Wer früher von einem Arzt behandelt wurde, konnte nicht beurteilen, ob diese Behandlung gut oder schlecht war, oder ob es Alternativen für die durchgeführte Behandlung gibt. Sich Informationen zu besorgen war mühsam und die Quellen nicht laiengerecht, mithin kaum verständlich. Daher ist das Internet (nicht nur die Foren) ein Segen, da es diese Quellen zur Verfügung stellt.

Aber speziell in Foren wird man damit konfrontiert, dass es auch andere Behandlungsmöglichkeiten gibt. Und je mehr man im Zweifel darüber ist, ob die aktuelle Therapie erfolgsversprechend ist (weil die Schwangerschaft ausbleibt), desto mehr lässt man sich in den Informationsstrudel ziehen, den einem ein solches Forum bietet. Dabei berücksichtigen die wenigsten, dass die die individuelle Therapie bei der einen Patientin vielleicht zum Erfolg führte, jedoch für einen selbst keine wirksame Alternative darstellt. Oder dass es für den gleichen „Fall“ durchaus mehrere gleichwertige Behandlungsalternativen gibt.

Dogmatiker und Zweifler

Grundsätzlich gibt es zwei Arten der Interaktion über medizinische Themen im Forum: Dogmatiker zeichnen sich dadurch aus, dass sie nur einen Weg gelten lassen, der zum Erfolg führt. Das sind entweder die ganz „frischen“ Mitglieder, die auf diese Weise versuchen, der sich anbahnenden Verunsicherung durch die vielen Informationen entgegen zuwirken, indem sie nur das als „richtig“ gelten lassen, was sie selbst in ihrer Therapie erleben oder diese Informationen gar nicht kennen, da sie vor allem mit sich selbst beschäftigt sind:“Weiß doch jeder, dass man Clomifen vom 5. bis zu 9. Tag einnehmen muss„. Weiß eben nicht jeder und stimmen tut´s auch nicht.

Die zweite Gruppe der Dogmatiker wird vor allem von „alten Hasen“ gestellt, die über Jahre in Behandlung waren und sich einen großen Wissensschatz angeeignet haben. In dem Bemühen, diese vielen Informationen zu sortieren, haben sie zu vielen Themen einen Meinung, aber eben auch nur die eine. Anderes gilt nicht und wird als Kunstfehler abgetan: „Deine Gerinnung ist noch nicht geprüft worden nach dem ersten Fehlversuch? Das kann ja auch nichts werden.“ „Der TSH muss unter 1,0 sein, sonst wird das nichts.“ Etc.

Die Zweifler stellen die größte Gruppe des Forums und sicherlich fast 100% der „Mitleser“, die sich nicht oder nur selten selbst äußern. Diese vergleichen nun die mit großer Überzeugung vorgetragenen optimalen Therapien mit ihrer eigenen und stellen (natürlich!) Unterschiede fest. Haben sie dann 1-2 erfolglose Therapien hinter sich, stellen sie alles in Frage, was bis hierher gemacht wurde. Das Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt leidet und sie selbst mit.

Im Idealfall konfrontieren sie ihren Arzt mit den Ideen aus dem Forum und der Kollege wird dann versuchen müssen, die Informationen zu sortieren, zu erklären und sich zu rechtfertigen. Das ist nicht jedem Arzt gegeben und macht es dann auch nicht besser, aber das ist ein anderes Thema. In jedem Fall bleibt aber die Verunsicherung, die auch von Genius1659 moniert wird.

Hinzu kommt das diese Foren Menschen verunsichern können. Die Behandlung des Kinderwunsches ist von Arzt zu Arzt unterschiedlich. Dies wird hier in den Foren auch eindrucksvoll dargestellt. Ich erlebe jedoch, dass Diagnosen und die Behandlung des uns behandelnden Arztes immer weniger getraut wird und in Frage gestellt werden, da es bei den Nutzern des Forums anders läuft. […]

Die widersprüchlichen Antworten bei dieser Vielzahl medizinischer Fragen in diesem Bereich führt meines Erachtens zur starken Verunsicherung vieler Frauen, insbesondere da viele – bedingt durch ihren langen Leidensweg – sich befähigt fühlen auf diese Fragen zu antworten, leider immer wieder widersprüchlich und auch falsch. Selbst der manchmal von den Usern eingeholte ärztliche Rat bei Ihnen mag sicherlich immer richtig, vielleicht jedoch nicht im Sinne des Behandlers sein.

Dazu ist zu sagen, dass Kommentare zu ärztlichen Therapien von mir immer mit höchster Vorsicht beantwortet werden, um genau diese Verunsicherung nicht zu bewirken. Alternativen werden als solche benannt, aber nicht gewertet. Das wird nicht immer gelingen. Es stellt sich jedoch die Frage nach den Alternativen. Foren mit ärztlicher Moderation, die Fragen lustlos oder bewusst lapidar beantworten, gibt es zuhauf. Nicht ärztlich moderierte Foren, in denen der Wildwuchs blüht, ohnehin. Ich halte die Moderation hier für den besten Weg, zumal auch die Hauptmitmoderatoren (*Jane* und Lectorix) in diesem Sinne anworten.

In der Medizin gibt es wenig Schwarz/Weiß und sehr viel Grau

Das Problem ist die Intention der Frage, weniger die Antwort. Wer im Forum eine medizinische Frage stellt, erwartet eine klare und eindeutige Antwort. Diese gibt es jedoch nur im Ausnahmefall („Ich hatte gestern Transfer und nun zieht es im Bauch, war es das schon?“ -> NEIN!). Es gibt in der Tat viele Wege zum Ziel, die einzig gültige Wahrheit kann niemand für sich beanspruchen, weder ich noch irgend jemand sonst. Das liegt schon alleine in der Tatsache begründet, dass wir über sehr viele Details der Einnistung und der Eizellreifung noch viel zu wenig wissen, als das wir wüssten, was Weiß ist und was Schwarz. Es mag unbefriedigend sein, aber die vorherrschende Farbe der Medizin ist grau. Im Idealfall hellgrau.

Internetsucht: Wer hat die Verantwortung

[…]die Foren [sollten] viel engmaschiger und verlässlicher kontrolliert und moderiert werden. Zudem sollten die Nutzer ernsthaft mit einer Art Selbstverpflichtung zur Nutzung konfrontiert werden, in der die sensiblen und problematischen Aspekte angesprochen werden. Denn das Surfen in Foren artet nicht selten zur Sucht aus. […] Bei einer Untersuchung unter knapp 500 regelmäßigen Internet-Nutzern haben über 32 Prozent Suchtsymptome gezeigt. Auf der Suche nach neuen Informationen, interessanten Themen und virtuellen „Gesprächspartnern“ verbringt diese Gruppe laut ISM rund 21 Stunde pro Woche im Netz. Vielleicht sollte hierzu auch ein spezieller Forenzweig eingerichtet werden, wo Nutzer hierüber diskutieren (müssen?).

Natürlich mache ich mir auch Gedanken darüber, wie einige User mehr als 10.000 Beiträge haben schreiben können. Und das in 3-4 Jahren, während ich für eine unwesentlich höhere Zahl 10 Jahre benötigte. Das zu steuern betrachte ich jedoch nicht als meine Aufgabe. Sie kann es nicht sein. Das Forum wird von erwachsenen Menschen besucht, die für sich selbst verantwortlich sind. Es ist von dem Betreuer eines Forums nicht zu erwarten, dass er Maßnahmen ergreift, die einem solchen Suchtpotential entgegenstehen. Es ist praktisch nicht machbar und ob ein Forum gegen Forumssucht ein geeignetes Mittel darstellt, wage ich zu bezweifeln. Und objektiv dazu kann ich ohnehin nicht Stellung nehmen, denn die drei Stunden täglich schaffe ich ebenfalls meist problemlos.

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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15 Kommentare
  1. raise schreibt

    Ja, natürlich hat ein medizinisches Forum qua seiner Existenz Ambivalenzen, das liegt in der Natur der Sache, die Medizin ist aber auch außerhalb des Forums grau.

    Sehr erschrocken bin ich, als letztes Jahr eine Forumsteilnehmerin, die von vermehrtem Ausfluss in der Schwangerschaft berichtet hatte, und von mehreren von uns beschwichtigt worden war, dass das normal sei (ist es ja auch in gewissem Umfang), dann eine Fehlgeburt hatte – es war nämlich austretendes Fruchtwasser gewesen. Da denke ich schon manchmal, vielleicht könnte dieses Kind noch leben, wenn sie den Arzt statt uns gefragt hätte oder wenn einer von uns zufällig besser informiert gewesen wäre und ihr wenigstens mal einen VpH-Test empfohlen hätte – da hätte sie es ja gleich gesehen.

    Auf der anderen Seite bin ich mir ziemlich sicher, dass mein Kind heute nicht auf der Welt wäre, wenn es das Forum nicht gäbe, denn dort habe ich vieles gelernt, was meine Ärzte leider tatsächlich nicht wußten, so traurig das auch ist, und bin befähigt worden, mir bessere zu suchen. Und so geht es sehr wahrscheinlich vielen von uns hier.

  2. Mariiesche schreibt

    Lieber Doc,
    da schreiben Sie ein weises Wort.
    Bin selber vor der Geburt unseres Sohnes jeden Tag stundenlang auf Ihrer/ unserer *g* Seite gewesen und habe deswegen: oft zu wenig geschlafen, mich zu selten mit meinem Mann unterhalten und zu selten mal den Kopf freibekommen vom Kiwu. Nach der Geburt hat sich das dann allerdings auf eine sehr natürliche Art geregelt ;-). Jetzt komme ich wieder dazu und freue mich sehr, alte Kontakte wieder aufleben zu lassen, auch über den Messi. Aber ich möchte nicht mehr aktiv in 3-4 Foren schreiben. Dazu ist mir meine Zeit zu kostbar.
    Trotzdem war meine Süchtelphase gut: MIR hilft es immer, wenn ich gut informiert bin und die Gemeinschaft hat mit psychisch doch stark über Wasser gehalten, insofern finde ich es aus heutiger Sicht als Phase ganz ok.
    Aus Gründen der Suchtgefahr habe ich meine online-Zeiten festgelegt, denn ich mag nicht wieder nur virtuell leben und fühlen.
    Danke, dass Sie diesen Beitrag geschrieben haben, vielleicht bekommt der eine oder die andere ja mal einen Anstoss.
    Schönen Tag noch, Mariiesche

  3. Tauchpüppchen schreibt

    Hallo Doc,
    vorweg sei gesagt, schön mal wieder so viel von Ihnen zu lesen 🙂

    Zum Thema, leider fehlt mir in diesem Ganzen jedoch auch der positive Aspekt.

    JA man wird irgendwie süchtig, süchtig nach dem Ausgang einer Geschichte von einer Leidensgenossin der man evtl. schon seit Jahren den Erfolg gönnt und die Daumen drückt (als Beispiel)
    Daher macht man sich auch Sorgen, weil man (Frau) ja nun mal teilnimmt am Leben der Anderen.

    Ich sag mal ganz platt, besser am "Echten Geschehen" als an einer Soap.

    Ich habe durch dieses Forum ganz besondere Menschen kennen gelernt, mit denen ich mich live auch treffe und austausche.
    Ohne meine tollen Mädels wäre ich nie im UKD bei so einem klasse Arzt wie Hr. Dr. Krüssel gelandet 🙂

    Und es tut einfach gut zu lesen das es immer wieder Frauen gibt bei denen es klappt, um den Mut nicht zu verlieren wenn man mal wieder "leer" ausgegangen ist.

    Also lange Rede kurzer Sinn..
    ICH FINDE DAS FORUM KLASSE!
    Und ich mag ihre Geschichten und ihren Humor ;o)

  4. reaba schreibt

    "reaba" ist ein alter hase, weist gern auf gerinnungsproblematik hin (weil selbst betroffen), vorzugsweise aber nicht erst nach dem 1-2 fehlversuch (die kasse zahl ja auch nur 3 versuche anteilig bei GKVlern!), sondern lieber gezielt als bestandteil einer umfänglichen und intelligenten anamnese.

    an der darstellung der problematik stört mich etwas, das ärzte eigentlich nur ärzten zutrauen medizinisch differenziert zu denken (und zu antworten).
    dabei hat "medizin" eigentlich sehr viel mit logik zu tun.
    ich kann ohne übertreibung behaupten, dass ich nach eingehender forumslektüre und kontakten mit medizinisch ausgebildeten menschen (nicht mal mit ärzten) für mich wege zur schwangerschaft gefunden habe auf die meine behandelnden ärzte im leben nicht gekommen wären.

    strich drunter. wer heilt (hier babies macht)hat recht.

    wieviel zeit er/sie dabei in foren oder auf ähnlichen seiten verbringt…wen juckt das eigentlich..?! wer sind die leute, die stetig die lebensgewohnheiten anderer leute pathologisieren müssen..?!

  5. Mitleserin schreibt

    ein sehr schöner Kommentar, sowohl vom doc als auch von raise: als stille mitleserin habe ich oft den eindruck, dass das forum für viele frauen ein ersatz ist für ein gespräch mit der medizinischen fachperson, aber auch für ein gespräch mit dem partner. vielleicht könnten sie, doc, in ihren ärztekreisen das immer mal wieder thematisieren, dass ärzte frauen behandeln und diese offensichtlich überhaupt nicht begreifen, was mit ihnen geschieht. worüber ich auch immer wieder staune ist die freizügigkeit der user, die hier ihre höchstpersönlichen daten ganz ohne bedenken der welt mitteilen, teilweise mit echten fotos – es ist gleichsam ein freiwillges ausplaudern von informationen, die (einem Arzt erzählt) nicht ohne grund der ärztlichen schweigepflicht unterstehen, die gesetzlich stark geschützt wird. manchmal frage ich mich denn auch, ob die partner der frauen wissen, dass ihr intimleben der netzgemeinschaft mitgeteilt wird und so teil der globalen öffentlichkeit wird.

  6. genius1650 schreibt

    Lieber Hr. Dr. Breitbach, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich meinem Beitrag so intensiv gewidmet haben. Jetzt habe ich gleich ein schlechtes Gewissen, dass auch ich Ihre Zeit so in Anspruch genommen habe.
    Auch den Kommentaren entnehme ich, dass das Thema wirklich seine Berechtigung hat. Es wäre toll, wenn sich die Diskussion weiter entwickeln könnte.

    Ich stimme Ihren Ausführungen größtenteils zu. Bezgl. meines Hinweises zu Ihren medizinischen Ratschlägen sei nochmals gesagt: Diese sind richtig und wichtig. Ich meinte nur, dass der Behandler dies ggf. anders sieht und daraus wieder Verunsicherung erwachsen kann.

    Die Kontrolle der Beitragsanzahl: Das ist wirklich nicht ihre Aufgabe. Dennoch macht man es sich – glaube ich zumindest – zu einfach, wenn man sagt, dass die Nutzer alles erwachsene Menschen und selbst verantwortlich sind. "Sucht", aber auch andere psychologische Erkrankungen heben die Selbstverantwortlichkeit außer Kraft (die meisten Menschen gestehen sich nicht ein, dass sie süchtig sind) und ich fände es nicht verantwortlich, wenn man darauf in keiner Weise reagieren würde. Wie könnte diese Reaktion aussehen? Darauf habe ich auch keine schnelle Antwort. Ich denke, dass die Diskussion, die angestoßen wurde, einen großen Beitrag leistet und dabei hilft, dass die Nutzer über Ihr Nutzungsverhalten und die persönlichen Auswirkungen nachdenken.

    Bezüglich Ihrer Nutzungszeit des WWWs, denke ich, dass Ihre redaktionelle Tätigkeit – quasi ja schon ein Nebenberuf – in dem Forum auch noch mal etwas anderes ist als die täglich dreistündige Nutzung des Forums von Betroffenen.

    @reaba: Der Artikel von Herrn Dr. Breitbach passt wirklich. Dogmatiker (2. Gruppe) würde ich sagen 😉 Gerade die Gerinnung ist ein Feld auf dem noch (lange) geforscht wird und auf selbst den Wissenschaftler noch längst nicht alles klar ist. Ich glaube nicht, dass Ärzte nur Ärzten zutrauen medizinisch differenziert zu denken. "Gute" Ärzte sind dankbar für mitdenkende Patienten!

    Aber: Medizin und Logik haben zwar eine gemeinsame Schnittmenge, diese sollte man jedoch nicht dogmatisch überbewerten!!! Vieles ist sehr unlogisch – das wird jeder Mediziner bestätigen können.

    Last but not least … Nicht ganz fair, aber überzeugend: Wenn ich das Wort Foren durch Alkohol ersetzen würde, dann würde ganz klar ein Alkoholiker sprechen, der sich nicht eingestehen kann, dass sein Verhalten nicht normal ist. Mir geht es wirklich nicht darum alle Internetsüchtig zu "machen". Wir glotzen tagtäglich fern und sitzen heutzutage auch unendlich lange vor dem Rechner. Unsere Gesellschaft und unsere Gewohnheiten verändern sich – früher hat man die "Leseratte" ja auch nicht als lesesüchtig bezeichnet.
    Aber es sollte einen ernsthaft beunruhigen, wenn man ein richtiges Problem damit hat, wenn das Internet oder z.B. dieses Forum einige Tage nicht erreichbar sind und „Entzugserscheinungen“ (in diesem Fall: Unglücklich sein) auftreten.

  7. reaba schreibt

    “Gute” Ärzte sind dankbar für mitdenkende Patienten!

    dem stimme ich uneingeschränkt zu 🙂

    es ist in meinen augen keine dogmatische überbewertung, wenn man nach 6 jahren behandlung (erfolglos) mal auf die logische möglichkeit genetischer gerinnungsveränderungen hinweist, zumal unter jeder behandlung thrombosen auftraten.
    daher betone ich die notwendigkeit von diesen differenzierten untersuchungen der gerinnung bei daraufhinweisender anamnese.
    selbstverständlich ist das noch ein weites, unerforschtes feld – ich wäre allerdings froh, wenn alle behandler wenigstens die basics kennen und untersuchen würden…wie gesagt: nicht als standrd, sondern mit hinweisendem verdachtsmoment.

    ich hatte sie nicht von anfang an, die "guten" ärzte. und mir hat das forum geholfen sie zu finden.
    damit habe ich viel zeit verbracht in der akutphase der behandlung (altende eierstöcke, unklar werdende finanzierungssituation, zunehmender erfolgsdruck). selbstverständlich ist es dann als pathologisch zu bewerten, wenn man stundenlang täglich im netz verbringt und nach lösungen sucht. mit etwas abstand scheint mir aber die relative fülle von "mittelmäßigen" bis "schlechten" behandlern hier auch ein problem zu sein.
    wäre man als patient nicht so allein mit der relativen ausweglosigkeit der situation und fühlte sich als medizinischer halblaie nicht so unverstanden in erklärungsnot der eigenen gegebenheiten (infertilität)…dann hätte man auch zeit hoffnungsfroh ein wiegendeckchen zu häckeln.
    so ausgeglichen und gut informiert und betreut fühlen sich aber nach meiner kenntnis die wenigsten frauen in akuter behandlung 😉
    deshalb sind sie hier die frauen…und suchen und weinen und trösten und drücken daumen…und etwa jede dritte freut sich irgendwann sogar über nachwuchs.
    dann kommen die elternforen,wieder eine ganz andere welt neue "abhängigkeiten" zu finden…mach ich alles richtig, sind es wirklich nur die zähne, meine güte es brüllt ständig grundlos und ich mache doch eigentlich alles richtig… 🙂
    oder man ist einfach on, wenn der nachwuchs abwesend oder schlafend ist um ganz banal zu klönen, weil man um die ecke keinen kennt, der auch ein ICSIkind hat.

    zum alkohol/internet vergleich: ausreichende mengen alkohol schalten einen nachhaltig ab und machen kommunikationsunfähig. internet in forenform wird meistens zur kommunikation genutzt. ich tue mich sehr schwer diesen vergleich so stehen zu lassen. es sei denn, dass kommunikation zur droge geraten kann – spannende frage!

  8. Sterni_01 schreibt

    Lieber Dr Breitbach, bei der Anzahl der Beiträge kommt es oft auf die Qualität des Geschriebenen an. Machen Sie sich also keine Gedanken wenn Sie in 10 Jahren "nur" 10.000 Antworten geschafft haben. *grins*

  9. Elmar Breitbach schreibt

    Lieber Genius,

    da brauchen Sie kein schlechtes Gewissen zu haben, denn ich fand Ihren Beitrag sehr interessant und größtenteils auch richtig. Eigentlich hatte ich nur vor, etwas über unsere Serverproblematik zu schreiben (die sich ja nun erledigt hat), fand dies Thema aber sehr viel spannender

  10. Bluete schreibt

    Lieber Genius,

    ja sicher, Sucht aller Art hebt Selbstverantwortlichkeit außer Kraft, da stimme ich Ihnen zu. Nur… hat nicht letztlich ALLES Suchtpotential? Nicht nur Drogen aller Art (legal oder illegal), Essen, Trinken, Einkaufen, Glücksspiel und eben auch Internet, ob bei Internetspielen oder in Foren?

    Kann das im Umkehrschluss also bedeuten, dass die Anbieter von Essen oder von Einkaufsmöglichkeiten (oder Internetforen), eine Mitverantwortung dafür haben, dass manche Menschen mit Suchtverhalten auf ihre Angebote reagieren? Und wenn keine Mitverantwortung, dann doch die Aufgabe vor dem Suchtpotential zu warnen? Etwa wie auf den Zigarettenpackungen oder bei den Hinweisen bei Lotterien?

    Erstens glaube ich nicht, dass solche Hinweise auch nur einen echten Süchtigen von seiner Sucht abhalten.
    Zweitens finde ich nicht, dass die alleine die Möglichkeit eines Missbrauchs einer Einrichtung (und nichts anderes ist ja letztlich eine Forumssucht / Internetsucht) automatisch zu einer besonderen Verantwortung des Betreibers dieser Einrichtung führt. "Nur" weil die Selbstverantwortlichkeit nicht mehr greift, heißt das meiner Ansicht nach noch lange nicht, dass es automatisch eine wie auch immer geartete "Fremdverantwortlichkeit" gibt. Mal ganz abgesehen davon, dass diese "Fremdverantwortlichkeit" im Falle von Süchtigen, und verweise ich gerne auf ihr Beispiel Alkoholiker, kaum greift. Denn erst wenn der Süchtige SELBST die Erkenntnis gewonnen hat, dass er süchtig ist und dies auch bekämpfen will, kann wirkungsvoll gegen die Sucht vorgegangen werden.

    Blüte

  11. Rebella schreibt

    Zur Frage: Gefahr oder Chance? antworte ich ganz eindeutig mit "Chance". Und dies bei Kinderwunschforen in doppelter Hinsicht. Chance, da man viele für den eigenen Weg zum Wunschkind wichtige Informationen bekommt. Chance auch wegen der Möglichkeit des Austausches mit Frauen in gleicher oder ähnlicher Lage (psychologische Wirkung).

    Ich kann die Vielfalt an Informationen nicht als Gefahr sehen. Denn: Je besser informiert, desto besser auch die persönlichen Aussichten. Klar können andere Betroffene zu Maßnahmen raten, die für den eigenen Weg nicht so gut sind, aber das müssen wir doch einkalkulieren. Insbesondere bei medizinischen Fragen muss ich nicht erwarten, dass mir Mitbetroffene DIE Antwort geben. Vielmehr sind die Hinweise, die man bekommt, etwas, was man dann für sich selbst prüfen kann. Ich selbst antworte hier z.B. überhaupt nicht gern auf medizinische Fragen. Und wenn ich eine solche Frage bekomme, schreibe ich dazu, dass ich keine Medizinerin bin, dass ich aber durch mein langjähriges Lesen im Forum die oder die Erfahrung gemacht habe. Gern verweise ich auch auf Personen, die es meines Erachtens besser wissen. Raise, die Erfahrung, die du oben beschreibst, ist erschreckend. Bei solchen Fragen ist es aber wirklich auch ratsam, der Betreffenden zu einem Arztbesuch zu raten.

    Zum Thema Sucht: Ich kann ja auch irgendwie nicht von dieser Seite lassen. Es wäre so, als würde ich einen lieben Freund einfach nie wieder sehen. … Trotzdem sehe ich das nicht als Sucht. Ja, ich verbringe täglich meine ca. 3 Stunden im Netz. Aber auch mit anderen Themen. Und in den letzten Tagen habe ich dann eben so lange andere Themen bearbeitet. Früher habe ich abends 3 Stunden vor dem Fernseher gehangen und mich mit dem, was gerade so geboten wurde, berieseln lassen. Dazu gern auch mal 2 oder 3 Gläschen Wein. Heute darf ich mir die Inhalte, mit denen ich mich insbesondere abends beschäftige, selbst aussuchen. Das hat eine wesentlich höhere Qualität und einen wesentlich höheren Bildungswert. Und: Ich trinke dabei nie Alkohol. Weil, wenn ich das tue, kann ich mich nicht in dem Maße konzentrieren, wie ich mir das wünsche.

    Und ja: Wir fahren jedes Jahr 3 Wochen in den Urlaub (ohne Internetanschluss). Und die bekommen mir auch immer ganz gut.

  12. […] Über Chancen und Gefahren von Foren im Speziellen und Allgemeinen. […]

  13. Greta schreibt

    ein GUTER reproduktionsmediziner zeichnet sich dadurch aus, dass er dem patienten die forumsaktivitäten nicht übel nimmt, sondern sich den daraus entstehenden Fragen annimmt und ggf. strittige punkte UNDOGMATISCH klärt. so greift eins ins andere.

    Idealerweise ein mündiger, wissender und forschungslustiger kiwupatient, ein ebensolcher kiwudoc vor ort und ein überaus kompetenter internetdoc.

    wenn man dieses (seltene..) glück hat, kann man von foren wie diesem mehr profitieren, als alle ebay-user von allen ebay-transaktionen zusammen 😉

    thanx derweil doc. sie ist 4einhalb und göttlich 🙂

    sucht… ja, wenn man nix besseres zu tun hat…. viele haben halt daheim oder auch im job nix besseres zu tun. bedauerlich genug, oder? besser, als in die spielothek zu gehen, und kohle zu verzocken, oder?

  14. Greta schreibt

    achja, reaba und ich sind weggenossen – ohne IHR wissen hätte ich es auch nicht geschafft 😉 also – danke auch an dich 🙂

  15. reaba schreibt

    @greta

    ..jederzeit wieder 😉

    hätte man nur auf dem weg dahin nicht schon etwas krümelige eierstöcke entwickelt 🙁
    geht mir ja genauso *heul*