Rendite: 700% pro IVF-Kind

Das ist das Ergebnis eines Rechenmodels für die USA. Ein in jeder Hinsicht durchschnittliches IVF-Kind (späterer Verdienst, Gesundheitskosten, Lebenserwartung) bringt dem Staat insgesamt einen deutlichen Gewinn. Ein Kind, das im Jahre 2005 geboren wurde, wird bei durchschnittlichem Einkommen in seinem Leben ungefähr 600.000 $ Steuern zahlen.

Berücksichtigt man die Kosten für die IVF und alle weiteren damit verbundenen Kosten, beträgt der Nettogewinn für den Staat 155.870 $, wenn dieser die Kosten für die künstliche Befruchtung übernähme. Die lebenslang gezahlten Steuern eines voll arbeitenden und durch IVF gezeugten Menschen würde im Vergleich zur ursprünglichen Investition einen Bruttogewinn von 700% bedeuten. Bei einer solchen Rendite sollten sich die USA überlegen, ob sie diese „Anlageform“ nicht schwerpunktmäßig zur Finanzierung staatlicher Ausgaben weiterentwicken sollten. IVF als langfristige Anlagestrategie zur Verminderung des Haushaltsdefizits…

Ähnlich formulieren es auch die Autoren der Studie. Sie weisen neben den zu erwartenden Einnahmen auch auf das damit zusammenhängende Wachstum der Wirtschaft hin.

Man merkt vielleicht, dass ich mit solchen Studien wenig anfangen kann. Als Argument für die staatlich geförderte Kostenübernahme ist es für Politiker ohnehin zu langfristig gedacht, denn die können in ihren Planungen nur von einer Wahl zur nächsten denken.

Connolly MP, Pollard MS, Hoorens S, Kaplan BR, Oskowitz SP, Silber SJ
Long-term economic benefits attributed to IVF-conceived children: a lifetime tax calculation.
Am J Manag Care. 2008 Sep;14(9):598-604.

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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29 Kommentare
  1. reaba schreibt

    ich denke, solche studien sind genau das richtige für diskussionskreise in friedrich-ebert-stiftung, konrad-adenauer-stiftung etc..
    da wo "jungpolitiker" zu "profis" ausgebildet werden; wenn überhaupt vorhanden, wäre dort die sensitive aufmerksamkeitsspanne für derartige zusammenhänge noch am ehesten gegeben. einmal inthronisiert und mit mandat versehen, sind sie in der regel allerdings eher merkbefreit 🙂

    wobei man sich dann beginnt zu fragen, was die bundesratsinitiativen aus div. ländern bringen sollen, die alte struktur der kostenÜ wiederherzustellen…ich vermute: stimmen 😉

    hat nicht rebella im klein-putz mal eine ganz ähnliche rechnung aufgemacht und die sogar mit einer ministeriumstante aus dem bundesgesundheitsamt diskutieren können..?

  2. Rebella schreibt

    Ja, ich habe in der Richtung schon gerechnet und meine Ergebnisse dazu jetzt mal komplett hier abgelegt:

    http://www.klein-putz.net/forum/viewtopic.php?p=2436618#2436618

    Danach kömen wir auf eine Rendite von 400%, wobei ja solche Analysen nie absolute, sondern immer nur ungefähre und leicht um einige 100% abweichende Zahlen liefern können.

  3. RockyRaccoon schreibt

    Vorweg – Menschen in Geld aufzuwiegen widerstrebt mir und das Wort "Humankapital" ist für mich das wahre Unwort des 20. Jahrhunderts. Aber das gilt wohl für nahezu alle Besucher dieser Webseite…

    Trotzdem dazu – es stellt sich mir die Frage, ob unter den am Anfang des 2. Absatzes erwähnten "weiteren damit verbundenen Kosten" auch die Kosten der nicht erfolgreichen Versuche von IVFs enthalten sind. Gleiches gilt für die Berechnung auf "klein-putz". Denn erst dann lässt sich eine "Rendite" ausweisen, die auch volks- und Betriebswirtschaftlich sauber ist.

  4. Elmar Breitbach schreibt

    @RockyRaccoon: Zugrunde liegen die Kosten bis zum Eintritt einer Schwangerschaft. Ob die Kosten für die Paare, welche ohne Erfolg behandelt wurden auch mit einfließen (was ja so sein müsste) kann ich nicht genau sagen.

  5. Rebella schreibt

    Hallo RockyRaccoon,

    ich will meine Kinder auch nicht mit Geld aufwiegen, aber wir haben nun mal die gesellschaftliche Situation, wo auf solche Weise gerechnet wird. Und wo man uns sagt, die Behandlung wird nicht von der Gesellschaft getragen, weil sie zu teuer wäre. Da finde ich, dass man auch auf dieser Ebene zurück schlagen kann.

    Die 77.000 Euro hat das IFO Institut ja nicht auf der Grundlage von IVF Kosten ermittelt. Die haben damit ja gar nichts zu tun. Ich hatte hier mal 15.000 Euro Kosten pro IVF Kind angesetzt, weil nahezu 20% aller Behandlungen zum Erfolg führen und eine Behandlung im Schnitt so bei 3.000 Euro kostet. Also 5*3.000 = 15.000.

  6. Dreifachmama schreibt

    Ganz ehrlich: Solche Rechenspiele finde ich furchtbar und gefährlich!

    Werden dann im nächsten Schritt die behinderten Kinder wieder abgezogen, weil sie ja keine gesellschaftliche "Rendite" versprechen? Oder die zusätzlichen Kosten, die die Intensiv-Behandlung und anschließende jahrelange Förderung von Frühchen verursacht?

    Ich finde solch eine Denkweise gefährlich, weil sie – konsequent zu Ende gedacht – zutiefst menschenverachtend ist.
    Wir sollten uns nicht daran beteiligen.

  7. reaba schreibt

    bei diesen rechnereien geht es ja darum zu widerlegen, dass die durch assistierte reproduktion gezeugten menschen volkswirtschaftlichen schaden durch ihre entstehungskosten verursachen. das zu widerlegen halte ich für sehr legitim.
    dadurch sagt man ja nichts über die tatsache, dass bestimmte förderungsbedürftigkeiten bei behinderungen etc gegeben sind, aus.
    die menschen, die unsere gesellschaft von uns repäsentativ gewählt bestimmen, werden zusehends manipulierbarer durch derartige rechnungen – vielleicht ist das der punkt, der uns wirklich zu denken geben sollte.
    die aufgemachte rechnung ist ja nur ein beispiel für eine fülle von sozialpolitisch relevanten entscheidungen, die auf ganz ähnlichen rechnungen beruhen.
    tritt man einen schritt zurück und versucht diesbezüglich einen gesamteindruck zu gewinnen, dann stellt man fest, dass sicher geglaubte rechte (menschenrechte, freiheit, selbstbestimmung, demokratie) langsam aber sicher von ihrer struktur her ausgehöhlt werden und sich kosten-nutzen relationen unterwerfen müssen.
    es wäre schön, die option zu haben, sich nicht daran beteiligen zu müssen – ich sehe sie nicht.

  8. Karlo schreibt

    Bei solchen Rechnungen geht es ja nicht darum, den Wert eines Kindes zu bemessen. Es geht wohl in erster Linie darum, Menschen zu überzeugen, für die es keine anderen Dimensionen als die ökonomische gibt.

    Ein Gedankenspiel: Was wäre, wenn wir IVFs durch Privatleute finanzieren würden und diese im Gegenzug bei Erfolg die Steuerzahlungen des Kindes kassieren dürften? Eine solche Rendite würde sich wohl kein ökonomisch denkender Mensch entgehen lassen und die Finanzierungsprobleme wären gelöst.

  9. Mariella schreibt

    Nein, das kann nicht die Lösung sein. (Nur) ökonomisch denkende Menschen müssen auf andere Weise eines Besseren belehrt werden, man darf sich eben nicht auf diese Denkweise einlassen.
    Die Formel: Menschen = Nutzen ist und bleibt unmenschlich. Es gilt, den Menschen aus solchen Kosten-Nutzen-Rechnungen herauszuhalten. Daß Kinder der größte Wert einer Gesellschaft sind, hat sich ja auch in Deutschland langsam herumgesprochen – auch wenn es noch nicht überall Farben geschlagen hat.

  10. Rebella schreibt

    Die Formel: Menschen = Nutzen haben wir aber auch anderswo. Zum Beispiel wendet sie jeder Arbeitgeber an. Und deshalb können wir ihm doch nicht die menschliche Qualifikation absprechen.

    Für mich reicht es, dass ich meine Kinder nicht aus dem Grund bekommen habe, um einen finanziellen Nutzen aus ihnen zu schlagen. Vielleicht schon, um mich an ihnen zu erfreuen. Was letzten Endes auch wieder ein Nutzen ist. Aber warum sollte man sich sonst Kinder wünschen, wenn man nicht an ihnen Freude haben wollte?

    Evolutionsbiologisch betrachtet haben Kinder den Nutzen, dass wir unsere Art erhalten. Das halte ich auch nicht für menschenfeindlich.

    In armen Ländern bekommen Menschen Kinder, weil diese eine persönliche Alterssicherung sind. Eben aus der Not dieser Menschen heraus. Ist das auch unmenschlich?

    "Dass Kinder der größte Wert einer Gesellschaft sind", das wird aber im politischen Sinne grundsätzlich nur finanziell betrachtet. Dass das Lächeln eines Kindes mehr Wert ist als Geld, haben die uns jedenfalls noch nie vorgerechnet.

    Ich möchte noch mal betonen, dass in meiner Berechnung und auch in der zugrunde liegenden Rechnung des IFO Instututs keine behinderten Kinder heraus gerechnet wurden. Die gehören mit dazu.

  11. Mariella schreibt

    @rebella – im Sozialstaat und im Bereich der Volkswirtschaften gehört die Formel auch hin. Nur hat sie bei der "Berechtigung" menschlichen Lebens nichts zu suchen. Die Evolution ist unmenschlich? Naja, das kann man finden, aber es ist nun einmal so … 🙂 zumindest für die Existentialisten und Materialisten gibt es darüber hinaus nichts weiter, für die Religionen schon.

  12. Mariella schreibt

    @rebella (konnte leider heute morgen nicht länger, daher noch Ergänzungen)
    "Dass das Lächeln eines Kindes mehr Wert ist als Geld, haben die uns jedenfalls noch nie vorgerechnet" – richtig, das kann und sollte man auch nicht "rechnen". Gleichwohl gibt es für Kinder Leistungen des Staates, die natürlich nicht mit einer Kosten-Nutzen-Effizienz-Rechnung begründet werden, sondern in erster Linie damit, daß eine Volksgemeinschaft nicht aussterben will – ganz klar auch deswegen, weil Kinder, zumal gut ausgebildete, für den Wohlstand der kommenden Generationen sorgen. Das hat aber nichts mit Unmenschlichkeit zu tun, sondern im biologisch angelegten Egoismus aller Kreaturen, Lebensgemeinschaften, Clans, Stämme, Ethien (was auch immer), überleben zu wollen. Dennoch ist menschliches Leben mehr als die Funktionalsierung aller Lebensumstände.
    Hinzu kommt, daß unserem Gesundheitssystem das Solidaritätsprinzip und nicht das Effizienprinzip zugrundeliegt, sonst müßten wir Alte, Kranke und die bereits angesprochenen Behinderten da gerade ausnehmen. Ihr Renditefaktor dürfte zu niedrig liegen – wenn man so argumentieren möchte. Aber man sieht schon, daß das eben nicht geht.
    Transferleistungen des Staates für Kinder sind (muß man das erwähnen?): Kindergeld, Elterngeld, höhere KK-Beiträge für Kinderlose, Erziehung- und Bildungseinrichtungen, die aus Steuergeldern finanziert werden, das sollte man nicht aus den Augen verlieren. Und natürlich "muß sich" das irgendwie auch "rechnen", sonst würde dies em Ende nicht zum Wohl der Volksgemeinschaft beitragen können. Nur ist es imho falsch, damit zu argumentieren und Leistungen in einer Solidargemeinschaft wie dem Gesundheitssystem erwirken und begründen zu wollen, da diese (wie der Name schon sagt) auf einem anderen Prinzip beruht. Diese Argumentation geht tendenziell in Denkrichtung, die mit Schlagworten wie "human capital" operieren, was zu Recht zum Unwort gekürt wurde.

  13. Rebella schreibt

    Naja, Mariella, das ursprüngliche Solidaritätsprinzip wurde aber schon reichlich angeknabbert. …

    Für mich hat die hier Thematisierte Rechnung nichts mit einer Infragestellung der Berechtigung von Leben zu tun. Habe ich oder hat jemand anders das hier angezweifelt, dass alle Menschen gleich berechtigt sind? Unter einer solchen Prämisse müsste ich schließlich allen IVF Kindern weniger Berechtigung zusprechen, da sie ja immerhin etwas teurer sind als herkömmlich entstandene. Wenn auch die "Redite" (unter volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten) immer noch lohnenswert hoch ist. Gerade das habe ich aber nicht getan.

    Mir ist zu dem Thema auch noch eingefallen, dass gerade Eltern von Kindern oder auch Wunscheltern das Recht haben sollten, auf den gesellschaftlichen Gewinn hinzuweisen, den Kinder bringen. Denn gerade die Eltern sind ja diejenigen, die in den allermeisten Fällen keinen finanziellen Nutzen aus ihren Kindern schlagen (wenn dafür auch umso mehr Freude). Man könnte unter rein finanziellen Gesichtspunkten auch sagen: "Die Eltern haben den größten Aufwand – die Gesellschaft aber hat den Nutzen."

  14. Mariella schreibt

    @Rebella: Natürlich kann man darauf hinweisen, daß Kinder "auch" einen Nutzen für die Gesellschaft bringen – wer will das denn bezweifeln? Nur kann man nicht Leistungen des Gesundheitssystem mit diesem Argument für eine bestimmte Gruppe in der Gesellschaft (die Kinderlosen) erwirken wollen. Sonst kehrt sich das Argument, das ich im übrigen für obszön halte, eines Tages gegen dich selbst (oder andere, die ihr "Recht" auf Gesundheitsleistungen verwirkt haben). Weil deine "Rendite" irgendwann gegen Null geht. Oder weil dann die gesellschaftlichen Gruppen, die auf Leistungen angewiesen sind, eines Tages um den Renditefaktor konkurrieren. Gruselig! Ein zweischneidiges Schwert – ethisch fragwürdig und sozial unverträglich. Man kann nicht mit dem Teufel kokettieren – um es mal bildlich zu sagen – und glauben, er ließe einen dann irgendwann nach Belieben ziehen.

  15. reaba schreibt

    @mariella
    den kinderlosen wurde aber mit eben dem argument des "kostendrucks" sie vollfinanzierten versuche zusammengestrichen und die kosten übernahme halbiert (mit gleichzeitiger steigerung der beiträge für pflegeversicherung und allgemein für gesundheitsleistungen, krankenkassenbeiträge etc).
    es ist schon so, dass gewisse interessensgruppen sozial benachteiligter um leistungen konkurrieren – das ist keine obszöne utopie, sondern hartzige realität in jeden deuteschen sozialamt 🙁 .
    wir wollen unseren teil an leistungen abbekommen, nicht mehr und auch nicht weniger und teilen dabei sicher gern mit denen, die diese leistungen dauerhauft in anspruch nehmen müssen. nicht zuletzt, weil etwa jedes 4. behandelte paar ein (mehrere) kinder bekommt, die sich auf die gesamtgesellschaftliche produktivität/leistungsstärke nicht negativ auswirken werden.
    ich sehe da keine gesellschaftliche abhängigkeit, nicht mal die gefahr dessen – wer nutzt schon freiwillig reproduktionsmedizin, wenn der nicht dazu gezwungen ist? zwang meint: aus biologischen gegebenheiten (meist krankheiten) heraus sub- oder infertil ist.
    alleine das argument würde für mich schon, im rahmen der gleichbehandlung aller erkrankten menschen, eine kostenübernahme zu alten konditionen rechtfertigen.
    gott, teufel, was du da auch immer an drohszenarien aufkommen siehst oder auch wirklich so empfindest, ist für etwa die hälfte aller menschen in diesem land eh irrelevant und sollte meiner meinung nach in diesen fragen auch keine rolle spielen; kriegt man auch ohne höhere instanzen spielend hin, wenn man als grundlage eine menschenfreundliche einstellung und das bestreben nach wohlergehen für alle nimmt :-). und alle meint auch alle, nicht nur die auserwählten, gläubigen, demütigen..was auch immer, sondern einfach: alle 😉

  16. Mariella schreibt

    @reaba – ich verstehe das Anliegen, aber der Zweck heiligt nicht die Mittel. Kinderlosigkeit ist keine Krankheit, also gibt es verständlicherweise hier eine Hierarchie, was die finanziellen Mittel angeht und solange das Gesundheitsbudget knapp ist und knapper wird. Noch nicht, aber das wird sich vermutlich ändern.
    Ich verstehe auch die Rechnung nicht: Rendite? Ungesichert vermutlich. Denn der Schuss kann ja auch nach hinten losgehen. Wer versichert denn, daß diese Rendite erwirtschaftet wird? Unter volkswirtschaftlichen Aspekten also ein unseriöses Versprechen.
    Außerdem: Die demographische Entwicklung spielt den Kinderlosen die Argumente doch geradezu in die Hände! In wenigen Jahren wird jede Frau, die das gebärfähige Alter erreicht und nach – sagen wir mal – drei Jahren noch ungewollt kinderlos ist, vom Gesundheitsministerium und den Krankenkassen umworben werden. Es braucht hier wirklich keine unseriöse Hantiererei mit vermeintlich finanzwirtschaftlichen Begriffen, zumal ja schon die ersten Maßnahmen ergriffen wurden, um zur Geburt von mehr Kindern anzuregen. Sehr bald wird auch die Kiwu-Behandlung wieder übernommen werden. Aber sicher nicht wegen der "Rendite".
    Optimistische Grüße 😉

  17. tintenklecks schreibt

    @mariella: Sie liegen falsch. Die WHO legt eindeutig fest, dass ungewollte Kinderlosigkeit den Status einer Erkrankung einnimmt, bereits seit 1967. Insofern sehe ich hier gar keine Hierarchie. Erst recht nicht, da ungewollte Kinderlosigkeit im Regelfall ein unverschuldeter Zustand ist (anders als Verletzungen nach der Ausübung von Extremsportarten, die auch anstandslos auf Kosten der Versichertengemeinschaft behandelt werden).

    Und im Gegensatz zu Ihnen gehe ich schon davon aus, dass angesichts der Einnahmen leider fast ausschließlich Kosten-Nutzen-Aspekte die Politik zu Veränderungen in dieser Frage bewegen werden. Würde die Politik nach anderen Gesichtspunkten handeln, hätten sie die Kostenübernahme nämlich gar nicht erst gestrichen.

  18. Mariella schreibt

    @tintenklecks – Doch gibt es da einen gewaltigen Unterschied. Mir scheint, daß in dieser Debatte zwischen dem Kosten-Nutzen-Aspekt in Bezug auf Maßnahmen und Behandlungsmethoden einerseits und in Bezug auf Menschen andererseits nicht unterschieden und beides vermischt wird. Ersteres – Sie erwähnten es – ist legitim und unvermeidlich, will man wirtschaftlich als Gesundheits- und Sozialsystem reussieren. Letzteres ist verwerflich. Kein Gesundheitsminister kann und wird es wagen, zur Berechtigung von Kürzungen oder sonstigen Leistungsbeschneidungen die "Rendite" von Menschen in die Waagschale zu werfen, aber natürlich kann die Effizienz von Behandlungsmethoden zur Entscheidung herangezogen werden. Es hilft nichts, beides ständig zu vermengen.
    Leistungskürzungen wurden nicht vorgenommen, weil man den "Wert" von Kindern nicht zur Kenntnis nehmen will, sondern weil die Effizienz der Behandlungsmethoden nicht ausreichend ist. Ein Kriterium, daß für die Übernahme aller Behandlungsmethoden zur Entscheidung herangezogen wird.
    Aber man sieht, die Denke des eifersüchtigen Vergleichens ist schon weit verbreitet – ein Unfall bei Extremsportarten ist also "verschuldet", soso … 😉

  19. Elmar Breitbach schreibt

    @Mariella: Wo ist den argumentativ die mangelnde Effizienz der Behandlung als Kriterium zur Leistungskürzung beim GMG hinsichtlich der Kinderwunschbehandlung eingeflossen? Das ist mir nicht erinnerlich, ein Quellenhinweis würde mit Dank zur Kenntnis genommen. Wenn´s die Quelle gibt.

  20. Mariella schreibt

    @Doc: Da ich nicht für das BMG arbeite, nehme ich an, daß diese Überlegungen (ob die Einstandspflicht der Solidargemeinschaft besteht) in die Verfassung von § 27a Absatz 1 Satz 2 eingeflossen sind. Wenn dem nicht so sein sollte, Asche auf mein Haupt. Es ändert aber doch nichts daran, daß die Überlegungen zur Effizienz, also Kosten-Nutzen-Rechnungen, sich generell auf Maßnahmen und Behandlungsmethoden und nicht auf eine obskure "Rendite" von Menschen beziehen. Wenn dem ebenfalls nicht so sein sollte, würde ich auch eine Quelle dafür mit Dank zur Kenntnis nehmen.
    Freundliche Grüße .-)

  21. reaba schreibt

    @mariella
    ich sprach nicht von rendite, sondern davon, dass bei einer andern struktur der kostenübernahme voraussichtlich mehr menschen gezeugt und geboren würden -> mit allen chancen und risiken, nebenwirkungen meinetwegen, die das menschsein so mit sich bringt. von rendite war da meinerseits keine rede. man sollte wohl aber sagen dürfen, dass ein z.b. ICSI-gezeugtes kind wohl "besser" ist (auch volkswirtschaftlich gesehen) als kein kind.und sich das darüberhinaus auch mathematisch darstellen läßt.
    die maßnahmen, die allgemein bevölkerungspolitisch ergriffen wurden, sind für mich a) nicht überzeugend und b) nicht sozialgerecht im sinne des gleichbehandlungsgrundsatzes. aber das ist lediglich eine persönliche einschätzung. frau von der leyen darf da gerne jede noch so mikrige statistik medial aufplustern..soll mir gleich sein.
    das unerfüllter kinderwunsch, bzw. ungewollte kinderlosigkeit sehr wohl als krankheit zu bewerten ist, hat bereits tintenklecks erwähnt. in deutschland wird die definition der WHO nicht aufgegriffen, weil die daraus erfolgenden finanziellen effekte nicht überschaubar wären und man wohl die gesellschaftspolitische diskussion scheut. das ist auch lediglich eine persönliche einschätzung; meiner meinung aber die naheliegenste.
    das mit dem umwerben wird erst stattfinden, wenn auch sichergestellt sein wird, dass jedes kind möglichst früh in den genuss "staatlicher betreuung und förderung" gelangt, denn man will nicht nur die rendite "lebendgeburt", sondern auch die rendite "weibliche arbeitskraft" erhalten. auch lediglich eine persönliche einschätzung, die deine sichtweise aber ausnahmsweise teilt ;-).
    und ich bin nicht so sarkastisch, dass ich dem optimistisch entgegensehen würde 🙂

  22. tintenklecks schreibt

    @mariella: Ihre Unterstellung, eifersüchtig zu vergleichen, weise ich ausdrücklich von mir. In meinem Kommentar dürften Sie keinen Ansatz erkennen, nach dem ich eine Behandlung anderer Erkrankungen oder Verletzungen ablehne (im Übrigen werden Sie mir doch zustimmen, dass jemand, der sich in riskante Situationen begibt, doch zumindest Schäden in Kauf nimmt).

    Ich sehe nur eben kein Argument, warum diese Hilfe im Falle der Kinderlosigkeit nicht im gleichen Maße greift. Und wenn wir schon bei der Effizienz von Behandlungen sind: Das eine ist eine wirksame Methode, das andere das eigentliche und gewünschte Ergebnis. Dieses läßt sich auch in anderen Bereichen der gemeinschaftlich finanzierten Gesundheitsversorgung nicht immer vorherbestimmen (bestes Beispiel: Psychotherapie). Menschen sind dafür viel zu unterschiedlich. Dabei plädiere ich nicht für eine unendliche Kostenübernahme. Das entspräche meiner Ansicht nach auch gar nicht den Interessen der Paare. Aber eine hinreichende Aussicht auf Erfolg dürfte eine Kostenübernahme rechtfertigen- wie im Falle von Behandlungsmethoden in anderen Bereichen auch.

  23. Mariella schreibt

    @tintenklecks:
    "… der sich in riskante Situationen begibt …" – das tut jeder, der ein Flugzeug besteigt, mit dem Zug reist, im Auto fährt oder auf die Straße tritt, auch.
    Nichts ist dagegen einzuwenden, dafür steht Artikel fünf unseres Grundgesetzes, daß Sie und @reaba Ihre Meinung zum Ausdruck bringen.

    Die Eingangsdebatte aber – zumindest habe ich es so verstanden – wurde um die Frage geführt, inwieweit das "Bewerten" von Menschen in Form einer – für meine Begriffe unethischen und in finanzieller Hinsicht auch unseriösen – Renditenkalkulation der Forderung nach Kostenübernahme in der Kinderwunschbehandlung (die ich auch befürworte) Nachdruck verleihen kann oder eher hinderlich, wenn nicht gar kontraproduktiv ist. Ich meine letzteres.

    Ihre Meinung diesbezüglich ist mir auch aus Obigem noch nicht ganz klar geworden, was aber auch daran liegen kann, daß Sie mich möglicherweise mißverstanden haben, denn grundsätzlich sind wir ja in Bezug darauf, daß die Einstandspflicht der Solidargemeinschaft bestehen sollte, offensichtlich einer Meinung.

  24. tintenklecks schreibt

    @mariella: Dazu hatte ich mich weiter oben tatsächlich schon geäußert. Ich stimme mit Ihnen darin überein, dass eine derartige Berechnung zunächst sehr ungute Gefühle auslöst.

    ABER: Im Gesundheitsmodernisierungsgesetz war wiederholt von notwendigen Kostenstopps die Rede, die ja auch nachvollziehbar sind. Nach meiner Erinnerung ging es nicht um die Effizienz der Behandlung. Das wäre auch nicht logisch, schließlich werden noch 50 % übernommen, was bei Ineffizienz nicht statthaft wäre. Die Politiker auf den gesellschaftlichen Nutzen hinzuweisen, der durch voll finanzierte Versuche und ca. 10000 Geburten mehr jährlich entstünde, erscheint mir jedoch i.O. (*kopfeinzieh*). Das Argument, die Behandlung bedeute eine zu große finanzielle Bürde für die Gemeinschaft, zieht nämlich dann einfach nicht mehr. Verstehen Sie mich nicht falsch, eine andere Argumentationskette wäre mir- und wohl allen hier- wenn ich sie richtig verstanden habe- sehr viel lieber. Nur von der Wirksamkeit bin ich persönlich nicht mehr überzeugt.

  25. reaba schreibt

    mit den einsparungen,die durch das GMG anvisiert waren, sollte u.a. die abgabe für gesetzliche versicherte bei 13,9% gedeckelt werden…soweit ich mich an die rede im bundestag der damaligen (und auch jetzigen gesundheitsministerin) erinnern kann, läßt sich sicher auch genauer nachlesen und zitieren. auch dieses argument wurde immer angeführt um den kostendruck für die ALLGEMEINHEIT (wenn das kein "leistungs"-argument ist, dann weiß ich auch nicht ;-)) möglichst moderat zu halten..

    nun ja, jetzt liegen wir bei beitragssätzen von 14,7 bis 14,9%..und ich glaube nicht nur kinderwunschpatienten fühlen sich verschaukelt vom GMG und seinen macher(n)/innen 🙁

    auch das mag kein wirkliches argument für "700%-rendite" sein…vielleicht sieht man es ja einfach als sarkastischen beitrag der ungewollt kinderlosen und deren behandler, politischen entscheidern zu zeigen wieviel sinnvoller investitionen in ihre bestrebungen gewesen wären die zeugung von mehr kindern nicht zu verhindern 😉

  26. Elmar Breitbach schreibt

    @reaba: Eine Prise Sarkasmus war sicherlich dabei beim Schreiben des Artikels

  27. Rebella schreibt

    Mariella, Sie vermischen 2 verschiedene Gründe, die für die Übernahme der Behandlungskosten für reproduktionsmedizinische Behandlungen sprechen. Der erste Grund ist der soziale. Weil ungewollte Kinderlosigkeit eine Krankheit ist und bei den Betroffenen in der Regel sehr großes Leid hervorbringt. Es liegt hier ein regelwidriger Zustand des Geistes vor, der der Krankenbehandlung bedarf. Eine Solidargemeinschaft sollte sich verpflichtet fühlen, Menschen, die in Not sind, zu helfen.

    Nun wird die Ablehnung der Kostenübernahme u.a. 1. damit begründet, das wäre keine Krankheit und 2. damit, es würde zu viele Kosten verursachen. Es werden noch ein paar Gründe mehr genannt, die bei näherer Betrachtung alle haltlos sind. Siehe dazu meine Ausarbeitung zu den häufigsten Irrtümern, die ich im http://www.klein-putz.net Forum hinterlegt habe. „Fehlende Effizienz“ haben möglicherweise auch schon Gegner der Reproduktionsmedizin angebracht. Diese Leute jedoch haben entweder nicht die Kompetenz, Statistiken zu lesen oder sie wissen nicht, dass auch herkömmliche Versuche, schwanger zu werden, nur eine Erfolgsquote von ca. 25% haben. Oder sie nutzen solche Scheinargumente trotz besseren Wissens ganz gezielt, um zum Zwecke ihrer Ideologie zu desinformieren.

    Der zweite Grund, der neben dem sozialen für eine Kostenübernahme spricht, ist eben der, dass es sich auch noch rechnet. Natürlich müsste die GKV Kinderwunschbehandlungen allein aus sozialen Gründen finanzieren. Wenn man dies aber mit der Begründung ablehnt, dass eben das Geld nicht da ist, dann muss diese Begründung schon stichhaltig sein. Das ist sie aber angesichts des hohen gesellschaftlichen finanziellen Nutzens, den die Kinder bringen, gerade nicht.

    Das ist ja ebenso, als wenn du bei Minus 25 Grad C an eine Tür klopfst und man lässt dich nicht rein, weil du andere bestohlen hättest. Oder weil du eine ansteckende Krankheit haben sollst. Du weißt, dass das nicht stimmt. Aber man verbietet dir, das zu sagen, weil das „verwerflich“ ist. Hääääh???

    Die politischen Maßnahmen, die getroffen wurden, um die Geburt von mehr Kindern zu erreichen, richten sich insbesondere an Paare, die gar keine Kinder haben wollen. Bei reproduktionsmedizinischen Behandlungen – Maßnahmen für Paare, die sich sehnlichst Kinder wünschen – wurde genau das Gegenteil getan, nämlich Leistungen gekürzt. Der wahre Grund dafür ist kein finanzieller, kein sozialer und auch kein Definitionsproblem, sondern ein christlich-ideologischer.

  28. Mariella schreibt

    @Rebella – ich vermische gar nichts, aber ich wiederhole es gern auch noch einmal für Sie: Ich rede auschließlich über das Wort "Rendite" im Zusammenhang mit Menschen, daß Ihren – auch den voranstehenden – Einlassungen nach meinem Dafürhalten den Wind aus den Segeln nimmt. Sie möchten mich gerne in die Niederungen der Für-und-Wider-Einstandspflicht-Debatte verstricken, doch da möchte ich nicht hin, unter anderem deshalb, weil ich sicher bin, daß Sie in diesem Thema absolut kompetent und keinerlei Entgegnungen meinerseits nötig sind. 🙂

  29. […] Zieht man alle Kosten ab, die für ein Kind von der Gesellschaft aufgebracht werden müssen (Gesundheitsversorgung, Bildung, Rente etc.), dann ergibt sich pro Kind durch später hereinkommende Steuergelder eine positive Bilanz von ca. 127.000 Euro. Legt man für eine künstliche Befruchtung Kosten von ca. 15.000 Euro zugrunde, dann ergibt sich für die Regierungen ein ca. 8-facher Gewinn (Return of investment ROI), wenn die Behandlung vollständig zu Lasten der Gesellschaft ginge. Andere Studien kommen auf ähnliche Werte (“Rendite von 700%”). […]