Hüppe findet´s nicht gut.

Der Bundestagsabgeordnete Hüppe ist Beauftragter der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen. Diesen Posten hat er offiziell seit dem 1.1.2010 inne, jedoch hatte er sich auch vorher lange Jahre mit diesen Themen beschäftigt. Auch hinsichtlich der Reproduktionsmedizin fühlte er sich schon seit Jahren zu erzkonservativen und klerikal geprägten Stellungnahmen genötigt und zwar immer dann, wenn jemand das Embryonenschutzgesetz anders interpretierte, als er es tut. Hüppe hat das Embryonenschutzgesetz zur Geisel genommen und ist der selbsterklärte Hüter „des Geistes des Embryonenschutzgesetzes“, wobei er diesen „Geist“ selbst definiert und mit Zähnen und Klauen verteidigt.

Flexibilität kann man ihm sicherlich nicht vorwerfen und er wäre der Letzte, der zu einem neuen Thema wie der Präimplantationsdiagnostik frische Gedanken entwickeln könnte. Vielmehr ist er ein Konservativer im klassischen Sinn, dessen Beharrungsvermögen eine Diskussion nicht zulässt. Gelegentlich könnte man sogar den Eindruck gewinnen, dass er solchen Diskussionen aus dem Weg geht, da er sie intellektuell nicht zu stemmen in der Lage ist. Leider bedeutet dies nicht, dass er öffentlichen Auseinandersetzungen aus dem Weg gehen würde. Das solche Auseinandersetzungen jedoch nicht gleichzusetzen mit einer Diskussion sind, lässt sich in einem aktuellen Interview im Deutschlandfunk erkennen, in dem er den bedauernswerten Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Reproduktionsmedizin Jan-Steffen Krüssel hart angeht.

Dass letzterer darauf hinweist, dass es in dem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs zur PID nicht darum geht unwertes Leben zu selektieren, da es in den strittigen Fällen um Patienten mit schweren Erbkrankheiten geht, bleibt von Hüppe ungehört. Jener beharrt auf dem Standpunkt, dass mit diesem höchstrichterlichen Urteil alle Grenzen fallen werden und die Indikation für die PID sukzessive ausgeweitet werden. Das übliche „Dammbruch“-Totschlagargument. Nicht zuletzt auch begründet mit der sattsam bekannten Geldgier der Ärzte im Allgemeinen und der Reproduktionsmediziner im Speziellen. Am Ende des Interviews versucht er Krüssel darauf festzulegen, welche Krankheiten aus seiner Sicht für lebensunwert gehalten werden müssen, wird aber bei dieser unappetitlichen „Diskussions“führung zu aller Erleichterung vom Moderator abgewürgt.

Wenn man dieses Interview so liest und davon ausgehen muss, dass hier die aktuelle Regierungsmeinung repräsentiert wird, dann kann man sich zwar weiterhin über das Urteil zur PID freuen, muss sich aber ernsthafte Sorgen hinsichtlich der gesetzlichen Umsetzung machen. Grundsätzlich interessant finde ich den Umgang des Politikers mit einem höchstrichterlichen Urteil. Ich habe in der Schule mal etwas von Gewaltentrennung gelernt. Dass es einem Vertreter der Legislative so offensichtlich wurscht ist, was die Judikative entscheidet, zeugt von einem Staatsverständnis, das einem Angst machen kann.

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Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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7 Kommentare
  1. Rebella schreibt

    Die Meinung von Hüppe ist mir jetzt erstmal schnüppe. Leute wie er haben die fortpflanzungsbehinderten Menschen mit schweren Erbkrankheiten lange genug bevormundet.

    Das neue Urteil gibt mir sehr viel Hoffnung, dass die PID bei Paaren mit schweren Erbkrankheiten nun auch in Deutschland verbreitet stattfinden wird.

  2. Lectorix schreibt

    Auch ich hege die Hoffnung, dass in ihrer Wahrnehmung und Urteilsfähigkeit eingeschränkte Menschen wie Herr Hüppe durch das BGH-Urteil eins vor den Latz gegeben wird. Dass eine Änderung gesetzlicher Regelungen nicht von heute auf morgen zu erwarten ist, kennen wir aus anderen ähnlichen Situationen, aber zumindest war es ein Signal in die richtige Richtung.

  3. tonihase06 schreibt

    Ich würde mich freuen, wenn das Urteil zum positiven umgesetzt würde, denn ich habe Bekannte, wo leider zufällig beide das Gen für eine Knochenkrankheit (ähnlich Glasknochen) tragen und somit leider schon mehrere Kinder verloren haben. Eins wurde zwar geboren, überlebte aber nicht und eine SS musste dann nach der FD abgebrochen werden, da derselbe Defekt vorlag. Sie haben zwar rein rechnersich die Chance auf ein gesundes Kind, da es nur erkrankt wenn immer beide den betroffenen Gendefekt weitergeben aber leider sind diese 25% bisher immer eingetroffen – da soll mir noch einer sagen, dass die beiden noch mehr SS auf Probe erleben müssen. Ihnen könnte so eine PID ganz sicher helfen und es wäre ihnen herzlich egal ob es ein Junge oder blond oder was weiß ich was wird, Hauptsache am Leben. Naja, bleibt zu hoffen, dass in unserer Regierung nicht alle so verbohrt sind wie Herr Hüppe. Da wird einem schon anders – von wegen Demokratie und Rechtsstaat – guter Punkt, Doc. Aber ich hör jetzt besser auf, sonst red ich mich in Rage. *gr*

  4. reaba schreibt

    um ihre überschrift aufzugreifen: hüppe sieht so aus, als würde er nicht mal sich selbst gut finden 🙂

    auf ähnlichem niveau geistig minderbemittelt war ein kommentar der süddeutschen von anfang letzter woche…"behinderte werden diskriminiert" etc blablabla. am besten war aber dann der "fachartikel" mit einer referenz zu ähnlich bereits praktizierten techniken, die von entsprechender zeitung "polkappendiagnostik" genannt wurden …. 😀

    tja, das demokratieverständnnis von politikern mißt sich nicht am BGB oder GG, sondern daran den eigenen hintern klienteilorientiert über die nächste wahl auf einem wohldotierten stühlchen zu platzieren … mein reden seit 14/18 😉

    den artikel aus der SüdD hätt ich gern angehängt, aber hier im süden europas hats nur einen zacken UMTS…dauert zu lange.

    LG reaba (aus dem land in dem sommerschlussverkäufe – ich liebe sie – rebajas heißen 🙂 )

  5. Emilia__Galotti schreibt

    Diese auf Prinzipien pochende Argumentation des Herrn Hüppe bezeugt für mich vor allem seine Ignoranz und Gleichgültigkeit. Ignoranz gegenüber den Paaren, die auf diese medizintechnischen Möglichkeiten zurückgreifen. Gleichgültigkeit gegenüber ihren Schicksalen. Haben die meisten doch wahrscheinlich schon jahrelange Prozeduren auf sich genommen, um zu ihrem Wunschkind zu kommen und viele Schicksalsschläge einstecken müssen. Unter dem Deckmantel der Behindertengleichstellung (ohne Frage ein überaus wichtiges Thema!) sollen diesen Paaren höhere Chancen auf eine intakte Schwangerschaft und am Ende ein gesundes Kind genommen werden. Und dafür bedient dieser Mann den Dreisatz der Nichtargumente: "Haben wir noch nie gemacht" "Wo kommen wir denn da hin" "Da könnt ja jeder kommen"

    Da fällt mir nur eines ein: Der hat doch keine Ahnung! Ich denke, die allermeisten Ärzte sind sich ihrer Verantwortung bei der PID sehr bewusst. Sie haben einen Eid geleistet! Um theoretische Fälle des Missbrauchs zu verhindern, sollen hier vielen verzweifelten Paaren die Möglichkeiten der Medizintechnik vorenthalten werden. Ein Skandal ist das. Gut dass unsere BGH Richter hier ein besseres Augenmaß bewiesen haben.

  6. […] ist. Wesentliche Argumentationsschiene der PID-Gegner ist jedoch, dass die Methode abzulehnen sei, da sie behindertenfeindlich ist. Dieser verqueren Argumentation kann Schäuble offenbar nicht […]