Ein Viertel kann sich die Kinderwunsch-Behandlung nicht leisten

Vor meinem Urlaub habe ich die Umfrage gestartet, wie die Betroffenen mit den Kosten für eine Kinderwunsch-Behandlung klarkommen (oder eben auch leider nicht).

Am häufigsten waren Antworten (48%), die zeigten, dass Paare unter (großen) Opfern in der Lage sind, die Kosten für die Behandlung zu tragen:
– Größere Anschaffungen werden verschoben, dann geht es schon (16%)
– Das komplette Ersparte geht drauf! (15%)
– Wir sparen am Urlaub (8%)
– Wir schränken uns bei allem ein: Wohnung, Kleidung …(6%)
– Steuerrückzahlung vom Finanzamt (2%) (die ja sonst auch anders verwendet worden wäre)
– Nebenjob (1%)

Leider bereits am zweithäufigsten (26%) waren Aussagen, die zeigten, dass es Paare gibt, die sich eine Behandlung (oder deren Fortsetzung) nicht leisten können:
– Wir können es uns nicht leisten, keine Chance (13%)
– Die 3 zu 50% von der KV bezuschussten Versuche konnten wir nur schwer finanzieren. Ein 4. mal können wir uns das nicht leisten. (7%)
– Wir sparen an Allem. Trotzdem reicht es nicht mehr für einen 3 Versuch. Sind an der alleruntersten Grenze des zumutbaren. (4%)
– Hartz IV – Akademiker (1%) (diese Antwort interpretiere ich als schwerwiegendes Finanzproblem)

Viele Paare versuchen es mit einer teilweisen „Fremdfinanzierung“ (11%):
– Wir haben einen Bankkredit aufgenommen (4%)
– Die Familie/Freunde leihen uns Geld (3%)
– Unsere Praxis gewährt Ratenzahlungen (2%)
– 1/3 geliehen (eltern) , 1/3 vorher zusammen gespart und 1/3 auf drei raten (1%)
– Erstversuch (erfolglos) wir gerade abgestottert in Raten (< 1%) - bin Hartz IV und Kredit aufgenommen und den Rest dürfen wir abzahlen an die Klinik (< 1%) Dann gibt es noch die Glücklichen (15%)
– Kein Problem, das Geld haben wir übrig (8%)
– Kein Problem, wir sind privat versichert (6%) Allerdings müssen 1% auch gegen die PKV klagen und vorfinanzieren…
– Die andere Hälfte zahlt die Private Krankenversicherung des Mannes (<1%) Und ganz zuletzt die ganz Glücklichen (3%):
– Nach erfolglosen Behandlungen ( 3 IFV und 1 ICSI) auf den natürlichen Weg schwanger (< 1%) - Gott sei Dank hat es beim 1ten mal geklappt (2%) Mehr als ein Viertel können sich der Behandlung also nicht unterziehen, da das Geld nicht (mehr) vorhanden ist. Und mehr als 10% begeben sich mit Krediten, Ratenzahlungen und Geldleihen für die Behandlung in eine finanziell hochgradig problematische Situation. Natürlich ist das nicht repräsentativ. Aber wenn es nur halb so viele wären, dann wäre es immer noch schlimm genug.

Noch Fragen?

Dann haben Sie in unserem Kinderwunschforum die Möglichkeit, sich mit anderen Betroffenen auszutauschen oder Fragen an unsere Experten zu richten. Und hier finden Sie die Übersicht über die andere Foren von wunschkinder.de. Die am häufigsten gestellten Fragen haben wir nach Themen geordnet in unseren FAQ gesammelt.

Dr. med. Elmar Breitbach ist Facharzt für Frauenheilkunde, Reproduktionsmedizin und Endokrinologie. Er ist als Reproduktionsmediziner seit mehr als 30 Jahren in der Behandlung ungewollter Kinderlosigkeit tätig. Dr. Elmar Breitbach ist Gründer und Betreiber von wunschkinder.de.
 

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Kommentar

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3 Kommentare
  1. mäuschen2006 schreibt

    Hallo!

    Also ich glaube die Statistik ist schon sehr repräsentativ und daher leider sehr erschreckend. Es macht mich traurig.

  2. Rebella schreibt

    Ich vermute, dass es in der Realität noch düsterer aussieht. Denn gerade solche Paare, die sich schwerer artikulieren können und damit häufiger finanziell schlecht gestellt sind, haben wohl auch im Schnitt seltener einen Computer …

  3. pandabär schreibt

    Das ist schon sehr erschreckend, auch wenn ich das so vermutet habe.
    Naja, wenn das Kind kommt, dann sollte auch noch Geld da sein…
    Ein Kredit wäre deshalb nie für uns in Frage gekommen, aber unser Sparbuch muß jetzt wieder neu gefüttert werden.